Pfarrplan 2024 - Wie geht es weiter im Kirchenbezirk Waiblingen?

Bei einer Tagung der Vorsitzenden der Kirchengemeinderäte des Kirchenbezirkes Waiblingen, den Mitgliedern des Pfarrplan- und Strukturausschusses und der Pfarrerinnen und Pfarrer haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Samstag, 15. Juli 2017 mit der drängenden Frage beschäftigt: Wie kann es in den Kirchengemeinden weitergehen, angesichts sinkender Mitgliederzahlen und der Tatsache, dass immer weniger Menschen Pfarrerin oder Pfarrer werden wollen?

Die Tagung war – so sagte es das Programmblatt – eine „Spirituelle Perspektiventwicklung“. Es sollte nicht nur um Zahlen gehen, sondern darum sich auf einen Weg der Erneuerung einzulassen. Geleitet wurde der Klausurtag von Dr. Kathrin Messner von der Evangelischen Erwachsenenbildung Rems-Murr und Dr. Matthias Wilke vom Kreisdiakonieverband Rems-Murr.

Dabei sind die Zahlen bis 2024 eigentlich allen schon bekannt. Dekan Timmo Hertneck hatte sie schon vorher an die Kirchengemeinderäte durchgegeben. Fast jede Gemeinde wird von Kürzungen durch den Pfarrplan in den nächsten Jahren betroffen sein. Selbst wenn Pfarrstellen erhalten bleiben, werden diese Pfarrstellen zusätzliche oder andere Aufgaben übernehmen oder bestimmte Arbeitsbereiche müssen umstrukturiert werden. Es gilt also, die Gemeinden und ihre Mitglieder auf einen Prozess mitzunehmen.

In verschiedenen Methoden wurde den Vorsitzenden der Kirchengemeinderäte deutlich, wie sie und andere ihre Situation einschätzen. So konnte auch jeder wahrnehmen, wer in großer Gelassenheit und wer mit großen Bedenken sich in diesen Prozess hineinbegibt. In einer Bibelarbeit wurde dann eine Geschichte Isaaks vorgestellt, in der der Nomade Isaak trotz eines ständigen Rückzugs zum Schluss doch noch einen Platz für sich findet, von dem er sagen kann: „Gott hat uns einen weiten Raum geschenkt und wir können wachsen.“ Angeregt durch die Geschichte wurden Gesprächskreise gebildet, in denen konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit in den nächsten Jahren angesprochen wurden.

Zum Schluss betonte Dekan Timmo Hertneck die historische Situation, in der die evangelischen Kirchengemeinden derzeit stecken. 

Pressepfarrer Markus Eckert, Oeffingen


Ermutigende Zeichen aus der Bezirkssynode am 24. März 2017

In ihrer Frühjahrssitzung hat sich das Kirchenparlament des Evangelischen Kirchenbezirks Waiblingen am Freitag, den 24. März, mit den Themen Bildung, Abbau der Pfarrstellen und der Möglichkeit beschäftigt, die Kindergärten der evangelischen Kirchengemeinden unter das Dach eines gemeinsamen Trägers zu vereinen.

Zu Beginn machte sich Schuldekan Martin Hinderer in seinem Bericht auf die Suche nach „Spuren der Reformation in der Bildung“. Er stellte fest, dass die Bildung ein Grundanliegen Luthers war. Der Reformator hat schon damals eine allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen aller gesellschaftlichen Schichten gefordert. Es war für Luther damals ein religiöses Anliegen, dass die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde. Heute werde allerdings immer wieder gefragt, warum es das Fach Religion an staatlichen Schulen eigentlich immer noch gebe. Schuldekan Hinderer verwies auf die Landesverfassung sowie das Grundgesetz. Die Verfassungen setzten immer noch ein christliches Menschenbild voraus und wünschten und förderten den Religionsunterricht. Außerdem sei es gerade heutzutage wichtig, dass Menschen „Religion könnten“, also fähig sind, Nachrichten und persönliche Ereignisse auch in einem religiösen Licht zu interpretieren. Schuldekan Hinderer lobte ausdrücklich den neuen Bildungsplan und merkte an: Zum Thema Sexualität sei im letzten Jahr viel Wind um nichts gemacht worden.

Dekan Timmo Hertneck musste in seinem Bericht an die Delegierten der Kirchengemeinden klarmachen, dass es in Zukunft weniger Pfarrer und Pfarrerinnen im Bezirk geben werde. Es werde bis 2030 alle Gemeinden treffen. Lediglich fünf Gemeinden müssten wohl keine Kürzungen verkraften. Aber auch nur deshalb, weil sie schon in der Vergangenheit hatten Abstriche machen müssen.

„Das tut weh!“ stellte Dekan Hertneck fest. 4,25 Stellen werde der Kirchenbezirk bis 2014 reduzieren müssen und bis 2030 vermutlich noch einmal fünf Stellen. Diese Reduzierung sei auch nötig, weil die Gemeindegliederzahlen für die kommenden Jahre schrumpfen würde. In den letzten Jahren habe der Kirchenbezirk jährlich rund 1.000 Gemeindeglieder verloren. Außerdem würden die geburtenstarken Jahrgänge der Pfarrerinnnen und Pfarrer nun langsam in den Ruhestand gehen. 2016 werden beispielsweise 133 Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand versetzt. Demgegenüber kommen nur etwa 45 junge Pfarrerinnen und Pfarrer jedes Jahr wieder dazu.

In der anschließenden Aussprache wurde beklagt, dass die Landeskirche in den fetten Jahren viel zu viele Pfarrer eingestellt habe. Außerdem fragte Dekan Hertneck, warum die Kürzungen, die die Landeskirche beschlossen habe, eigentlich nicht die Dekanatsstellen beträfen.

Trotz der wenig erfreulichen Nachrichten erinnerte Dekan Hertneck an die christliche Hoffnung und daran, dass man mit Jesus Christus mutig vorangehen solle. Und wünschte sich, dass man nicht nur reagieren, sondern agieren möge. Dazu passte auch, dass der Wunsch des Evangelischen Jugendwerks, ausgerechnet jetzt ein zusätzliches Jugendpfarramt für den Bezirk einzurichten, ernsthaft geprüft werde. Es komme darauf an, so Hertneck, dass die Gemeinden den Strukturwandel in hervorragender Weise hinbekämen. Dazu gehöre auch, dass Pfarrerinnen und Pfarrer mehr von der Verwaltung entlastet würden.

Und so wurde schon an diesem Abend ein Baustein in diese Richtung beschlossen. Der Kirchenbezirk bietet den Kirchengemeinden an, dass sie ihre Kindergärten von einem zentralen Träger des Kirchenbezirkes verwalten lassen können. Das garantiere Professionalität und entlaste die Pfarrerinnen und Pfarrer, sowie jede einzelne Gemeinde. Mit großer Mehrheit stimmten die Delegierten für dieses neue Model, auch wenn die Finanzierung noch letztgültig geklärt werden muss.  Im kommenden Jahr soll dies Geschäftsstelle für Kindertageseinrichtungen für die Kirchengemeinden zur Verfügung stehen. 
Bezirkspressepfarrer Markus Eckert

 

Weitere Informationen:

Im Kirchenbezirk Waiblingen gibt es derzeit 38 Pfarrstellen. Im Jahr 2024 können nur noch 33,75 Pfarrstellen besetzt werden. Eine Kürzung um 4,25 Pfarrstellen.

In den letzten sechs Jahren sank die Zahl der Evangelischen von 73.063 auf 67.043, was einem Rückgang von 8,3% entspricht.

Die sogenannte Pastorationsdichte, das heißt wie viele Gemeindeglieder von jeweils einem Pfarrer oder einer Pfarrerin versorgt werden, steigt. Von heute 1.400 auf 1.800 Gemeindeglieder pro PfarrerIn. Später wird diese Zahl wieder sinken.

Durch ein Entlastungsprogramm der Landeskirche sollen die Härten abgefedert werden. So sollen bis zu 55 Stellen in der Landeskirche im Diakonat und an den Schulen geschaffen werden.