Zusammenwachsen und zusammen wachsen!

Bericht zur Bezirkssynode am 24. März 2017

Liebe Synodale,
ich möchte Sie über den Stand der Arbeit unseres Pfarrplan- und Strukturausschusses informieren.

Ausgehend von unserem Beschluss auf der Herbstsynode vom 11.11.2016 hat sich der Pfarrplan- und Strukturausschuss zweimal zusammengefunden. Beides Mal gab es ausgedehnte Vorarbeiten. Aufgrund des Beschlusses wählte der KBA Frau Schäfer, Herrn Zahläcker sowie die Pfarrer Wanzeck und Elser hinzu. Vorbereitet werden die Sitzungen von Herrn Max Müller, Vorsitzendem des KGR in Schwaikheim, und von Herrn Dr. Matthias Wilke vom Kreisdiakonieverband und mir.

In der ersten Sitzung am 26. Januar 2017 informierten wir uns ausgiebig über Berechnungsart des Pfarrplans. Herrn Müller aus Schwaikheim gebührt hierfür wieder unser großer Dank.

In der zweiten Sitzung am 23. Februar 2017 beschäftigten wir uns schwerpunktmäßig mit den Formen von Verwaltungskooperation. Unser Verwaltungsstellenleiter Herr Ruff trug jedoch nicht nur vor, was eine gemeinschaftliche Kirchenpflege oder was eine Kassengemeinschaft ist, er unterstrich die zunehmend wachsenden Anforderungen an die mit 6-15 Stunden angestellten Kirchenpflegerinnen und Kirchenpfleger, die ein annähernd gleiches Fachwissen benötigen wie die 100% Stellen. Diese wiederum haben oftmals keine Vertretungsmöglichkeit im Krankheits-oder Urlaubsfall. Kooperationen und Strukturveränderungen sind also aus Verwaltungssicht dringend anzugehen. Herr Ruff schrieb uns ins Stammbuch: Wir können unsere Strukturen anpassen, wir können handeln, bevor wir behandelt werden. Er stellt daraufhin seine persönliche Vision in den Raum, die heutigen Kirchengemeinden stärker den Kommunalstrukturen anzupassen. Der Ausschuss folgte dieser Einschätzung und sieht darin eine Hilfe für die künftige Zuordnung auch des pastoralen Dienstes. Ich teile Ihnen das Blatt aus, auf dem Sie den derzeitigen Gesprächsstand der Empfehlung des Strukturausschusses erkennen und sehen können.

Ich möchte hierzu sagen:
Unser Bezirk ist insofern Spitze in der Landeskirche, weil bei uns an vielen Orten bereits Strukturentwicklungsprozesse eingeleitet oder gar abgeschlossen sind.

Ich nenne:

  1. Buoch, Breuningsweiler und die Berglenteilorte

  2. Die Gesamtkirchengemeinde Birkmannsweiler, Höfen-Baach wird zu einer Gemeinde fusionieren

  3. Es gibt einen Ersttermin mit der Gemeindeberatung in den Kirchengemeinden im Bereich der Kommune Leutenbach

  4. In Winnenden sind Paul-Schneider-Haus und Schlosskirchengemeinde zusammengekommen

  5. Stetten und Rommelhausen werden sich zur Gesamtkirchengemeinde Kernen zusammenschließen

  6. In Fellbach haben sich die vier Teilkirchengemeinden zur Evangelischen Kirche Fellbach zusammengeschlossen

  7. In Waiblingen zur Evangelischen Kirche Waiblingen, wobei sich die früheren Teilgemeinden Michaelskirche und Dietrich Bonhoeffer zu einer Parochie von 4.360 Gemeindegliedern zusammengeschlossen haben und das Dietrich Bonhoeffer-Haus vermietet hat.

Herr Ruff schrieb uns ins Stammbuch:

  1. Wir können nicht so weitermachen wie die letzten 30 Jahre.

  2. Wir können nicht weitermachen und die zurückgehenden Gemeindegliederzahlen ignorieren.

  3. Wir können nicht alle Immobilien halten.

  4. Wir können nicht mit weiter steigenden Kirchensteuermitteln rechnen.

Danke für die zugleich mahnende und ermutigende Stimme.

Am 18. Februar 2017 wurden die gewählten Vorsitzenden der Kirchengemeinderatsgremien bei ihrem Jahrestreffen von mir informiert. Wir vertieften uns in die Berechnungstechnik und erste Prognosen. Da diese Arbeit nahezu die ganze Zeit, die wir für diesen Tagesordnungspunkt vorgesehen hatten verschlungen hatte, kam aus der Mitte der Vorsitzenden die Bitte, einen zweiten Termin zu vereinbaren, bei dem es dann schwerpunktmäßig um Gemeindeentwicklung und Gemeindeideen gehen solle.

Wo sehen wir unsere Kirche in 15 Jahren?
Wie können wir Menschen begleiten, wenn bis zu einem Drittel an Pfarrstellen wegfällt?
Wie kann das Evangelium leuchten in Zukunft?
Wie werden wir stolz auf unsere Evangelische Kirche, wenn wir zahlenmäßig geringer werden?
Wie sieht der Pfarrdienst der Zukunft aus.

Diese Fragen werden wir bei einer gemeinsamen Tagung von Vorsitzenden, Pfarrkollegium und Pfarrplan-und Strukturausschuss auf Grundlage der bis dahin erarbeiteten Vorlagen des Pfarrplan- und Strukturausschusses zur Sprache kommen. Dabei werden wir sicherlich noch keine Antworten auf die meisten Fragen bekommen, aber wir wollen Bearbeitungswege aufzeigen. Der Termin wird am Samstagvormittag, dem 15. Juli 2017, stattfinden. Er ist von Dr. Wilke überschrieben mit den Worten: Entwicklung von Visionen der Gemeindeentwicklung „trotz und mit“ Pfarrplan. Wir wollen den Tag auch in Kooperation mit dem Kreisbildungswerk und der Geschäftsführerin Frau Dr. Messner planen.

Zu den Pfarrplanzahlen ist folgendes zu sagen:
In unserem Beschluss vom 11.11.2016 haben wir bereits festgestellt, dass aufgrund der rückläufigen Zahl von Pfarrerinnen und Pfarrern mit einem Rückgang von bis zu einem Drittel der heutigen Pfarrstellen in unserer Kirche zu rechnen ist. Die Ursachen liegen darin, dass die geburtenstarken Jahrgänge in dieser Zeit in den Ruhestand gehen werden. Diese Jahrgänge wurden aus gutem Willen in großer Jahrgangsstärke angestellt und zwar so lange, bis keine Verwendung bzw. keine Mittel mehr für die Pfarrerinnen und Pfarrer gegeben war. So kam es nahezu zu einem Einstellungsstopp. Die Folgen haben wir nun zu organisieren. Der zuvor nie dagewesene große Reichtum an Menschen im Pfarramt, den wir die letzten 40 Jahre erleben durften, geht zu Ende. Dafür wollen wir dankbar bleiben! Ich nenne vier Zahlen von zu erwartenden Ruhestandseintritten der Pfarrerinnen und Pfarrer:

2016 gehen voraussichtlich 40 Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand; 2020 werden dies 92 sein; 2016 - 133; 2028 - 121 und 2031 – 31 Personen. Unsere Planungsperspektive muss von daher auf das Jahr 2030 ausgerichtet sein.

So viel kann ich allerdings schon jetzt sagen: Alle Gemeinden in unserer Kirche werden sich aufgrund der geänderten Zahl an Pfarrstellen neu aufzustellen haben. Auch die Gemeinden, die von den kommenden beiden Pfarrplänen nicht unmittelbar betroffen wären, müssten damit rechnen, dass „ihr“ Pfarrer / „ihre“ Pfarrerin einen anderen Zuschnitt seines / ihres pfarramtlichen Dienstes zu versehen hat.

Die Landeskirche baute zur Abfederung dieses einschneidenden Vorgangs ein großes Entlastungsprogramm auf. Von 2020 bis 2024 sollen 15 Personen aus alternativen Zugängen in den Pfarrdienst aufgenommen werden, im Bereich Sonderpfarrstellen werden 15 Stellen durch Angehörige anderer Berufsgruppen ausgefüllt werden. 15 Beauftragungen von Ruheständlern sind vorgesehen.  Es werden stufenweise bis zu 55 Stellen im Diakonat und in der Schule geschaffen. Zur Entlastung des Pfarrdienstes von Verwaltungsaufgaben und Optimierungsprozesse der Verwaltung werden bis 2024 zweimal 15 Millionen Euro eingesetzt. Gemeinden werden durch das Projekt integrierte Beratung kostenfrei beraten.

Letzte Woche beschloss die Landessynode die verbindlichen Zielstellenzahlen für den Pfarrplan 2024. In der Landeskirche wird die Zahl der Pfarrstellen von 1.391,75 um 184,75 auf 1.207 zurückgehen. Das entspricht einem Rückgang um 13,2%.

Unser Kirchenbezirk wird eine Kürzung der Pfarrstellen um 11,2% zu verkraften und zu organisieren haben. Das heißt, wir werden von den derzeitig 38 Pfarrstellen 4,25 Pfarrstellen abzubauen und im Jahr 2024 nur noch 33,75 Gemeindepfarrstellen besetzen können. Das tut weh. Und weh tut natürlich auch, dass die Zahl unserer Gemeindeglieder in den letzten fünf Jahren von 73.063 auf 67.043 zurückgegangen ist. Das macht ja auch einen Rückgang um 8,3% aus, so dass das Verhältnis von Gemeindeglied zu Pfarramt sich nicht so dramatisch verschieb, wie es im ersten Moment klingen mag.

Die sogenannte Pastorationsdichte wird bei linearer Fortschreibung der Gemeindegliederentwicklung von heute etwas über 1.400 Gemeindegliedern pro Gemeindepfarramt auf 1.800 Gemeindeglieder ansteigen, um dann 2040 wieder bei den etwas über 1.400 Gemeindegliedern zu liegen. Doch hier geht das Hochrechnen in Kaffeesatzleserei bzw. Deutung des Vogelfluges über.

Entscheidend ist:
Wir werden in unserem Kirchenbezirk den Pfarrdienst entlasten von den Verwaltungsaufgaben der Kindertageseinrichtungen. Dadurch wird unseren Pfarrdienst real um 114% im Vergleich zum Pfarrplan 2018 entlastet. Es gibt nach unserem Synodalbeschluss vom 11.11.2016 also keine Sonderverrechnung mehr von pastoralem Aufwand für Kindertageseinrichtungen oder diakonische Einrichtungen vor Ort. Für die Gemeindekontaktzeit kann so die Kürzung von 4,25% auf 3,11 % gedrückt werden.

Auf dieser Basis haben wir gerechnet. Und ich will Ihnen das Ergebnis nun vortragen.

Gehen wir von einer linearen Entwicklung der Gemeindegliederzahlen bis 2024 aus, ergibt sich für den Pfarrplan 2030 bei der angenommenen Kürzung von noch weiteren fünf Pfarrstellen folgendes Bild:
Nur fünf Gemeinden werden keine unmittelbare Kürzung des Pfarrdienstes erleben. Dies sind die Gemeinden Birkmannsweiler, Leutenbach, Neustadt, Oppelsbohm und Rommelshausen. Wie vorhin gesagt: auch für diese Gemeinden wird sich bis 2030 die Gemeindestruktur und damit die Struktur des pfarramtlichen Dienstes verändern.

Setzen wir unsere bisherigen Vorgaben um, so ergibt sich für den Pfarrplan 2024, also den Plan, der bis 2024 umgesetzt sein muss folgendes Bild.

Kürzung jeweils um eine halbe Stelle bis auf Rang 9. Dort steht eine Kürzung um 25% an. Strategische Entscheidungen der Bezirkssynode könnten allerdings zu Veränderungen führen.

gerechnet mit Geschäftsführung
(1)   Schwaikheim                  
(2)   Strümpfelbach 
(3)   Weiler zum Stein
(4)   Waiblingen
(5)   Buoch
(6)   Nellmersbach
(7)   Schmiden
(8)   Stetten
(9)   Beinstein

gerechnet ohne Geschäftsführung
(1)   Buoch
(2)   Hertmannsweiler
(3)   Stümpfelbach
(4)   Weiler zum Stein
(5)   Schwaikheim
(6)   Nellmersbach
(7)   Beinstein
(8)   Hegnach
(9)   Waiblingen

Aus dem Jugendwerk gibt es den Impuls, langfristig ein bezirkliches Jugendpfarramt einzurichten. Sollten wir das befürworten, wäre gerechnet mit Geschäftsführung im Pfarrplan 2024 bereits je nach Umfang auch Hertmannsweiler und Hegnach betroffen und ohne Geschäftsführung gerechnet Bittenfeld und Stetten.

Gehen wir von den oben genannten Prämissen aus, werden sich die übrigen Gemeinden, die 2024 keine unmittelbare Kürzung erleben, für 2030 auf eine Kürzung einzustellen haben (die fünf Ausnahmen sind oben genannt). Dies ist jedoch erst in sechs Jahren definitiv zu entscheiden.

Unsere Landeskirche beschreibt den jetzt ablaufenden Strukturwandel mit der Überschrift „ZusammenWachsen“.
Ich halte das für eine gute Überschrift und haben sie für diesen Dekansbericht übernommen.

- Zusammenwachsen in Strukturen und der Kooperation

- Zusammen wachsen im Glauben und im Verständnis, was Evangelische Kirche 2024 sein will, das halte ich für genauso wichtig.

Wir werden uns nicht wie der ängstliche Häschen in der Ackerfurche verstecken. Und erst recht werden wir die frohe Botschaft nicht verstecken. Diese Welt der Angst, kann nach Johannes 16,33, überwunden werden. Sie ist überwunden in Christus, in unserem Glauben.

Es kommt also darauf an, ob es uns in unserem Kirchenbezirk gelingt, den Strukturwandel auf hervorragende Weise hinzubekommen. Es gibt Verluste, das ist klar, aber so Gott will – und er will das - wird das Zusammenwachsen auch ein zusammen Wachsen werden.

Ich möchte unser Waiblinger Projektjahr mit Epheser 4, 15 + 16 überschreiben:
(15) Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.
(16) Von ihm aus gestaltet der ganze Leib sein Wachstum, sodass er sich selbst aufbaut in der Liebe – der Leib, der zusammengefügt und gefestigt ist durch jede Verbindung, die mit der Kraft nährt, die jedem Glied zugemessen ist.

Ich wünsche Ihnen persönlich und in den Gemeinden, dass Sie die Pfarr- und Gemeindestrukturentwicklung mutig angehen. In meinen Jungscharzeiten sagten wir: „Mit Jesus Christus mutig voran“. Denken sie groß von unserem Gott und das, was er mit seiner Kirche vorhat.

Timmo Hertneck
Dekan