Bezirkssynode vom 24. März 2017

Bericht des Schuldekans - Kirchenbezirkssynode Waiblingen am 24.03.2017

Thema: Kein Glaube ohne Bildung

„Verständiger Glaube“ als Bildungsprogramm der Reformation / des Protestantismus

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I:          Reformation

II:         Wirkungsgeschichte

III:        Bildungsplan

 

I:          Reformation 

Ganz Deutschland, Württemberg,  auch der Kirchenbezirk befindet sich im Lutherjahr! Das Reformationsjahr ist einer der Schwerpunkte des Kirchenbezirks neben den beiden anderen Schwerpunkten, die uns heute Abend noch beschäftigen: Struktur- und Pfarrplan und die Trägerübergabe der Kindergärten. 

  • Veranstaltung-Programm in WN:  siehe Prospektflyer!

  • Eine Fülle an „Bildungsangeboten“ zum Reformationsjahr, die im Kirchenbezirk angeboten werden. Das zweite Fokuswochenende steht an!!

Mit seinen berühmten 95-Thesen hat Martin Luther am 31.10.1517 die mittelalterliche Welt aus den Angeln gehoben. Was wir heute glauben und denken, hat auch etwas zu tun mit dem, was sich damals ereignete. Darauf richtet sich mein Augenmerk in meinem SD-Bericht.

Ich beschränke mich im Folgenden auf den Bereich der Bildung, die eine extrem wichtige Rolle in der Reformation spielte und noch heute in der Protestantischen Kirche spielt! Denn die Reformation hatte ein eminent wichtiges Ziel:

  • Das Ziel eine urteilsfähige und mündige Gemeinde und Gemeindeglieder und zwar in Kirche wie in der bürgerlichen Gemeinde!

Grund: Vor Gott ist jeder Einzelne unvertretbar!
Anders als in der katholischen Tradition kann keine kirchliche Institution mit ihrem Glauben an die Stelle des einzelnen Menschen treten oder dessen Glauben ersetzen. Wenn aber der persönliche Glaube so unverzichtbar wird, dann muss auch jeder einzelne Mensch wissen und verstehen, worum es bei diesem Glauben geht, im Leben und auch im Sterben.

 

  •  „Sollte nicht billigerweise jeder Christenmensch mit neun oder zehn Jahren das ganze heilige Evangelium kennen, indem doch sein Name und Leben steht?! Lehret doch eine Spinnerin und Näherin Ihre Tochter dies Handwerk in jungen Jahren. Aber nun wissen selbst die großen Gelehrten, Prälaten und Bischöfe das Evangelium nicht“! (Zit. An den christl. Adel, 1520)

 

Diese theologische Klärung hatte praktische und sehr weitreichende Konsequenzen!

So wurde – neben vielen Veränderungen auf die ich nicht eingehe – der Grund gelegt, was wir heute das „Bildungsprogramm“ zunächst der Reformation und dann des Protestantismus nennen könnten. Denn Glaube war ohne Bildung nicht möglich, auch wenn Luther noch nicht von „Bildung“ gesprochen hat (sondern eher von „Erziehung“), aber genau das meinte!

Fundamental waren für diese „Bildungsoffensive“ (ich verkürze!) vier Dinge:
Luthers Übersetzung der Bibel ins Deutsche, seine Katechismen, die Schule und der Gottesdienst! Ich mache einen (kurzen!) historischen Streifzug!

Bibel

Gemeinsam mit seinem Freund und Wegbegleiter Melanchthon, der ihn hebräisch und griechisch lehrte, übersetzt Luther die Bibel auf der Wartburg, wo er gefangen saß, in eigentlich atemberaubender Geschwindigkeit.
Ziel: Selbst sollten die Leute die Bibel, das Evangelium lesen um urteilsfähig zu werden!

  • Die Übersetzung Luthers wurde sprachbildend für die Deutsche Sprache!

Katechismus

Luther – kein Dogmatiker oder Systematiker, aber ein großer Pädagoge:
In den Katechismen fasste er die „Summe“ des Evangeliums zusammen, was zum Leben und Sterben notwendig war, in einen kurzgefassten Kompendium:

Gebote, Glaubensbekenntnis/Credo, Vaterunser, Taufe und  Abendmahl: in dieser Reihenfolge! Dass es heute anders ist, hat was mit Brenz zu tun!

Entstanden sind die Katechismen aus Luther Erfahrungen bei seinen Visitationen und Gemeindebesuchen, die er schon ganz früh unternahm. Er war entsetzt, wie es um die religiöse Bildung von Gemeindegliedern aber auch der Pfarrer stand. So entwickelte er die beiden Katechismen (groß und kleinen) um in elementarer Form verfügbar zu machen, „was sie glauben, tun, lassen und wissen sollen im Christentum“.
Wieder geht es um das Verstehen des Glaubens als Ziel der kirchlich –pädagogischen Arbeit. Dies in konzentrierter und einprägsamer Weise dazustellen, war sein Interesse.

  • wichtig war für ihn die Art und Weise, wie das vonstatten ging: Es war ein Frage- und Antwortspiel: „Was ist das“ sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern Jugendliche zu eigenen verantworteter Übernahme anleiten! (vgl. Koranschulen!!!)

  • In Klammer: Der Katechismus steht heute oft für das Auswendiglernen unverständlicher Inhalte, dabei ging es schon bei Luther eigentlich gar nicht um die Form/den Text, sondern um das didaktische Prinzip!
    Württemberg: Bis heute fester Bestandteil des Konfirmandenunterrichts, der sich an den Katechismus orientiert!

Familie: Aber der „eigentliche“ Sitz im Leben des Katechismus war die Familie!! Die katechetische Unterweisung sollte im Alltag geschehen, durch Laien im Hause und durch den Hausvater, der den Katechismus im Kreise der Familie täglich „treiben“ sollte.

“Darum auch ein jeglicher Hausvater schuldig ist, dass er zum wenigsten die Wochen einmal seine Kinder und sein Gesinde umfrage und verhöre, was sie davon wissen oder lerne, und wo sie es nicht können, mit Ernst dazu halte.“ (Vorrede zum großen Katechismus)

In Klammer: da ist Luther ganz „modern“: wir wissen aus allen Studien, wie enorm wichtig eine frühe religiöse Verankerung für die religiöse Entwicklung und Bindung ist! Und wir wissen, wie wenig das in Familien tatsächlich geschieht!

Auch das war bei Luther nicht anders, daher setzte er sich für Bildung und Erziehung in der Schule ein!!

 

Schule

Schulen wurden bis dato nur von den Kirchen gegründet und unterhalten. Nur besonders ausgesuchte, intelligente und begüterte Kinder erhielten die Möglichkeit des Besuchs einer solchen Schule. Damit war der Lebensweg dieser Kinder aber auch vorgegeben: Sie sollten entweder Priester werden oder als Nonne oder Mönch in Klöstern leben und arbeiten.

  • Bild (s. PPP): So sah ein Klassenzimmer im Mittelalter aus. Die Schüler saßen dicht gedrängt, einige sogar auf dem Fußboden. Hühner und Tauben liefen und flatterten umher. Prügelstrafe war an der Tagesordnung. Die Schüler schrieben mit Griffeln auf Wachstafeln. Bei Fehlern drohten Strafen.

    Das Abschreiben und Auswendiglernen war das Entscheidende!  

     

     

    Die Mittelalterliche Schule wurde de facto mit der Reformation durch Schließung der Klöster abgeschafft, denn Luther hatte schon früh die Vision einer anderen Schule!

    „Christus, da er Menschen erziehen wolle, musste Mensch werden. Sollen wir Kinder erziehen, so müssen wir auch Kinder mit Ihnen werden“ „In den Büchern steht genug geschrieben. Es ist aber noch nicht alles in die Herzen getrieben“ (Vorrede Dt. Messe, 1526)

     

    Und für diese Zeit revolutionär schreibt er an anderer Stelle: „Und wollte Gott, jede Stadt hätte auch eine Mädchenschule in der die Mädchen täglich (wenigstens) eine Stunde das Evangelium hörten es wäre deutsch oder lateinisch“. (in: Predigt 1530 )

Nicht nur für Elite, sondern für das „gemeine Volk“: Luther forderte einen allgemeinen Schulbesuch, für alle Kinder unabhängig vom Geschlecht und vom Stand! Und das war Aufgabe der Kommune – nicht der Kirche!! (auch da schon die „Moderne“ angelegt!!)

Schule und Bildung stehen nicht nur im Dienste von Glaube und Kirche! Luther will mündige Gläubige und mündige Bürger!! Er hat dafür auch eine ganz plausible weltliche Begründung: Schule ist erforderlich zum Aufbau und Erhalt des Gemeinwesens (der weltlichen Ordnung).

Denn (so Luther) es geht darum „aus wilden Tieren Menschen zu machen,  … um Frieden, Recht und Leben zu erhalten“. Statt  Geld in Kanonen zu stecken, sollten es die Ratsherren lieber in die Bildung stecken!! (An die Ratsherren, 1524).

Die Hochachtung der Schulbildung drückt Luther so aus: „So wollt ich kein Amt lieber haben, denn Schulmeister oder Knaben Lehrer sein. Denn ich weiß, dass dies Werk, nebst dem Predigtamt das aller nützlichst, größte und beste ist“ (Luther, Predigt 1530)

Trotz dieser Hochschätzung sollte es allerdings noch etliche Jahre dauern, bis es wirklich zur allgemeinen Schulpflicht für alle kam! Zwar veranlasste Herzog Christoph 1559 mit der „Großen Kirchenordnung“ die Schulplicht, aber es sollte noch fast 100 Jahre dauern (1649) bis sie für alle ohne Ausnahme galt!

Gottesdienst

Der Gottesdienst wurde zum Dreh- und Angelpunkt der Reformation. Dabei spielt die Predigt in deutscher Sprache eine entscheidende Rolle, genauso wie das Lied und der Katechismus!
Der Gottesdienst ist kein „hokus pokus“ (AM-Einsetzungsworte: „hoc est corpus meum“ dies ist mein Leib),  in dem die Sakramente automatisch „wirken“ allein durch ihren Vollzug mittels der Kirche, sondern die Leute sollen verstehen („verständiger Glaube“), was sie hören, damit sich ihre Herzen öffnen für das Evangelium Jesu und sie zu mündigen/gläubigen Gemeindegliedern werden!

Es gab ja noch keine Perikopenordnung, die den Predigttext für jeden Sonntag festlegte. So sollte auch da der Katechismus „auf der Kanzel vorgepredigt“ werden. Es gab sogar regelrechte „Katechismus-Gottesdienste“: öffentliche Verhöre, bei denen sich Kinder (Jungen und Mädchen getrennt) im Gottesdienst gegenüber saßen und den Katechismus für die Gemeinde auslegten! (Abendmahlsverhör) 

II. Wirkungsgeschichte 

Der reformatorische Bildungsgedanke hat sich in der evang. Kirche ausgebreitet und ausgefächert in weitere Bildungsbereiche, die z. T. erst mit dem 18./19. Jh. verbunden sind:

Wir reden heute von einem vierfachen Bildungsauftrag der Kirche: 

  • Bildungsmitverantwortung:
    Die Schule
    für alle verdankt sich der Einführung der Reformation und der Volksschulen unter Leitung der Kirche.

    Heute: gibt es zwar Schulen in kirchl. Trägerschaft (große Beliebtheit), aber Staat und Kirche sind getrennt, und Schule steht unter der Leitung des Staates.
    Dennoch gibt es (noch) einen ordentlichen RU (zumindest im Süden) an jeder Schule, verankert im Staats-Kirchenvertrag!  Und einen Bildungsplan, der RU als ordentliches Lehrfach hat und den die Kirche verantwortet!

  • Kirchliche Bildungsverantwortung:
    KU / JA
    Aus dem Katechismusunterricht (der zum Abendmahl führte) wurde der Konfirmandenunterricht, der auf die Konfirmation vorbereitete (erst 200 Jahre später!)

    Heute reden wir von der Konfirmandenarbeit in enger Kooperation mit der Jugendarbeit: siehe die Rahmenordnung für Konfirmandenarbeit PPP

  • Bildungsträgerschaft:
    Mit der Entdeckung des Kindes (im ausgehenden 18. Jh.) entsteht der Kindergarten, ein wesentlich prot. Motiv und starke Ursprünge im prot. Bildungsgedanke.

    Heute haben wir einen Orientierungsplan, einen Leitfaden für Bezirk WN und einen Fachberater, Herrn Walz. Und ob die Verwaltung der Trägerschaft in Zukunft in den einzelnen Gemeinden oder doch besser zentral verwaltet wird, darüber werden wir heute Abend auch noch abstimmen!

  • Bildung und Öffentlichkeit:
    Mit dem Aufkommen der Industrialisierung kommt die Gesellschaft stärker in den Blick der Kirche und damit auch die Erwachsenenbildung: Schlagen Sie ihre Gemeindebriefe auf und schauen sich das monatliche Programm an, das Erwachsene anspricht. Schauen Sie das Fobi-Programm der EwB Rems-Murr an:
    Wir haben heute die neue Erwachsenbildnerin, Frau Messner unter uns, die das Ganze im Rems-Murr-Kreis im Blick hat.

     

 

 

Fazit: aus „fremden“ Munde und welch ein hohes Lob!!!

„Kirchen (mit haupt- und ehrenamtlichen MA) leisten einen erheblichen Beitrag Kinder und Jugendliche zu mündigen, verantwortungsbewussten und selbstsicheren Menschen zu erziehen!“ (so die ehemalige Kultusministerin Warminski-Leitheußer)

 

Heute 

Wir können Stolz ob solcher Bildungstradition im Protestantismus sein! Dennoch sieht sich die Bildung im Blick auf ihre Gegenwartsbedeutung mit einer mindestens dreifachen Herausforderung konfrontiert (so Prof. Friedrich Schweitzer):

  • Sie hat ein Selbstdarstellungsproblem

  • Ein Kommunikations- / Tradierungsproblem

  • Legitimationsproblem

Selbstdarstellungs- und Wahrnehmungsproblem: (nicht ausführen)

  • Verstehen wir unsere Angebote als Bildungsangebote? Und wird Kirche mit Bildung in Verbindung gebracht (öffentliche Wahrnehmung)

  • Aufgabe: „Einmischen“: wie wird das „christl. Menschenbild“ virulent (in: Medizin / Ökonomie / Politik?!) Wie bringen wir die „Freiheit“ zur Sprache?! (Gerechtigkeit / )

Kommunikations- / Tradierungsproblem (nicht ausführen)

  • Der christl. Glauben ist in seiner Lebensbedeutsamkeit und seiner Plausibilität für die Gegenwart nicht einsichtig. (vgl. KU-Studie / Schöpfungsglaube)

  • Aufgabe:
    Theologisierung:  Bedeutung versus Stoff (im KU) / Elementarisierung: auf den Punkt bringen?!

Legitimationsproblem  (greife ich auf, weil mich das derzeit besonders beschäftigt)

Ist in Zeiten von Pluralisierung und Individualisierung ein konfessioneller RU noch zeitgemäß?! Offenbar gelingt es uns immer weniger plausibel zu machen, dass ein solcher Unterricht auf eine kompetente Auseinandersetzung auch mit der Gesellschaft vorbereitet.
Religion wird geradezu als „Störfaktor“ wahrgenommen!

  • Beispiel: Spiegel-online!! „Elterncouch“ Spiegel-online

    Die diskutierte Frage: ist der RU üble Indoktrination oder notwendiges Weltwissen?

     

    Eine Mutter schreibt: In Deutschland dürfen sich Kinder aus dem Religions-unterricht ausklinken. Das ist ein großer Fehler!
     „Es geht doch im Religionsunterricht nicht um Mission, sondern um Information, um Weltwissen. Die Kinder lernen etwas über das Christentum, aber doch auch über andere Religionen, damit sie sich kritisch damit auseinandersetzen können. Und das ist ja wohl heute nötiger denn je, wo Fundamentalisten, Extremisten und Scharlatane allerorts religiöse Schriften missbrauchten, um junge Leute für obskure Missionen zu rekrutieren. Oder?“

     

    Antwortmails:  shitstorm

    „Ich denke, man sollte das Erkennen von "fundamentalistischen Positionen" lieber im Geschichts-Unterricht lehren... ohne das ganze religiöse Geschwurbel des Religionsunterrichts. Schon alleine die Existenz des Faches "Religion" an Deutschen Schulen gibt Glauben eine Legimitation, die er in einer aufgeklärten und modernen Welt nicht verdient. Religionsunterricht ist und bleibt Brainwashing!

     

    „Diese anachronistische Fantasterei, genannt Religion, gehört nicht in die Öffentlichkeit eines aufgeklärten 21. Jahrhunderts. Gott oder sonstige Götter, Kobolde, Elfen, Feen, Einhörner bzw. Weihnachtsmann und Osterhase gehaben im Unterricht nichts zu suchen.“

Wie können wir zeigen, dass der RU pluralitätsfähig und gesellschaftlich nützlich ist?!

Im Vorwort des neuen Bildungsplanes für den evang. RU ist zu lesen:
„Soziales, politisches und kulturelles Leben … lässt sich ohne Kenntnis ihrer religiösen Wurzen nicht angemessen verstehen! Angesichts der Globalisierung und multikulturellen Lebenszusammenhänge wird religiöse Bildung für die Suche der Kinder und Jugendlichen nach Identität und Orientierung immer wichtiger!!

Aber wie können wir das (plausibel) vermitteln?!

 

III.  Bildungsplan 2016

Mit der Frage: Was tut der RU in der Schule, schlage ich eine große Brücke in den neuen Bildungsplan 2016

  • Es gibt klare rechtliche Vorgaben: und im Vorwort auch des neuen Bildungsplanes steht noch immer der schöne – ganz christliche – Satz:

    „Die Jugend ist in der Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe, zur Brüderlichkeit aller Menschen und zur Friedensliebe, in der Liebe zu Volk und Heimat, zu sittlicher und politischer Verantwortlichkeit, zu beruflicher und sozialer Bewährung und zu freiheitlicher demokratischer Gesinnung zu erziehen.“ (Landesverfassung, Art. 12 /1; GG Art.7, Schulgesetz)

Das christliche Menschenbild ist (noch immer) das Fundament unserer Bildung!!!

Ich führe Sie nicht in den neune Bildungsplan ein! Das haben wir mit den Pfarrer/-innen bereits gemacht! Aber der Bildungsplan, der alle 10 Jahre neu geschrieben wird, antwortet auf die gesellschaftlichen Herausforderungen mit den sog. „Leitperspektiven“   

Die Frage heißt: Welcher „Geist“ leitet die Bildung?! In Klammer: Ich erinnere dabei wie umstritten die Leitperspektiven längst vor ihrer Veröffentlichung waren!

Zitat: „Die Leitperspektiven sind also in ihrer Gesamtheit und ihrem Zusammenspiel zu verstehen als zeitgemäße Auslegung solcher normativen Grundlagen, eine Auslegung, die jede Generation angesichts wechselnder Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben von Neuem leisten muss. Dabei gilt es, Aspekte der Persönlichkeitsbildung und ‑stärkung, der Bildung zur Gemeinschafts- und Teilhabefähigkeit in einer zunehmend pluralen Gesellschaft sowie die Sensibilisierung für den globalen Kontext des Alltagshandelns. (so im Vorwort zu lesen)

Heraus gekommen sind:

3 Allgemeine Leitperspektiven  (und drei Themenspezif. Leitperspektiven)

  • Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Sinne der Befähigung zur verantwortungsvollen und aktiven Gestaltung einer zukunftsfähigen Welt;

  • Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt (BTV) im Sinne der Befähigung zu Toleranz und Akzeptanz sowie zu diskriminierungsfreiem Umgang mit Vielfalt in personaler, religiöser, geschlechtlicher, kultureller, ethnischer und sozialer Hinsicht;

  • Prävention und Gesundheitsförderung (PG) im Sinne einer Stärkung der Persönlichkeit durch die Förderung eines sozial kompetenten und gesundheitsbewussten Umgangs mit sich selbst und anderen.

3 Themenspezifische Leitperspektiven

  • Berufliche Orientierung (BO) im Sinne einer Unterstützung und Vorbereitung von tragfähigen, begabungs- und entwicklungsgerechten Entscheidungen und Weichenstellungen für kommende Berufswege sowie für lebenslanges Lernen;

  • Medienbildung (MB) im Sinne der Befähigung, Medien sinnvoll auszuwählen, das Medienangebot kritisch zu reflektieren, die Medien verantwortlich zu nutzen sowie die eigene mediale Präsenz selbstbestimmt zu gestalten;

  • Verbraucherbildung (VB) im Sinne einer Reflexion und Entwicklung eines verantwortungsbewussten Konsumentenverhaltens.

 

Schule und Unterricht sollen diejenigen Orte sein, wo das Aushalten solcher Perspektiven-vielfalt eingeübt werden kann und muss. „Perspektivenvielfalt ist dennoch nicht gleichzusetzen mit Wertneutralität; sie erfordert vielmehr einen klaren und ausdrücklichen Rückbezug auf die in der Verfassung und im Schulgesetz festgeschriebenen Bildungsziele“ (Bildungsplan)

 

Zentraler Begriff des Bildungsplanes: Kompetenzen statt Stoff  

Die Aufmerksamkeit richtet sich nicht mehr allein auf die Frage, welche fachlichen Inhalte, welcher „Stoff“ in der Schule gelehrt beigebracht werden soll, sondern welche Kompetenz die Schüler am Ende erworben haben. Was kann man, wenn man das kann?!

Verschränkung von „Prozess- und inhaltsbezogenen Kompetenzen“

 

Was ist „religiöse Bildung“ oder was kann man, wenn man Religion kann?! (oder mit Luther gefragt: was ist „verständiger Glaube“?!)
„Es ist ein spez. Modus der Weltbegegnung…“ (so ist im Vorwort Bildungsplan zu lesen)

„Religion ist die Fähigkeit:

  • die Vielgestaltigkeit von Wirklichkeit wahrzunehmen und theologisch zu reflektieren,

  • christliche Deutungen mit anderen zu vergleichen, die Wahrheitsfrage zu stellen und eine eigene Position zu vertreten

  • sowie sich in Freiheit auf religiöse Ausdrucks- und Sprachformen (zum Beispiel Symbole und Rituale) einzulassen und sie mitzugestalten. „

     

    Schluss: Aktuelle Zahlen / Informationen

    Anstellungen im Kirchenbezirk WN (2016/17)    

    187 Staatl. Lehrkräfte: (64%) leisten 666 Deputatsstunden d.h. 58%

    39 Pfarrer/innen:  (13%) leisten 199 Deputatsstunden, d.h. 17 %

    16 Relpäds /Diakone:  (6 %) leisten 180 Deputatsstunden, d.h. 16 %

    48 privat angestellte Lehrer/innen (17%) leisten 107 Deputatsstunden, d.h. 9%
    (das sind die großen Werke: Paulinenpflege / Diakonie Stetten)

     

    Veränderungen im Büro des SD

    Neu:  Frau Hinnecke für Andrea Lehr-Rütsche, die nach 25 Jahren im Büro des SD nochmals eine neue Herausforderung gesucht hat.

    Frau Sommerau ist nun mit 80% ganz beim Schuldekan.

     

     

    Literatur (in Auswahl)


    Schweitzer, Friedrich, Das Bildungserbe der Reformation – bleibender Gehalt/ Herausforderungen/Zukunftsperspektiven, Gütersloher Verlag, Gütersloh 2016.

    Kommentierung der Bildungskonzeption der EKM durch Friedrich Schweitzer in: Quergelesen: Die Bildungskonzeption aus religions- und gemeindepädagogischer Sicht, Eisenach 2006. 

    Köpf, Rainer, Ich komm, weiß wohl woher! Eine Reise zu Martin Luther, Calwer Verlag, Stuttgart 2015.

    Luther, Martin, An den christlichen Adel deutscher Nation (1520)

    Luther, Martin, An die Ratsherrn aller Städte dt. Landes, dass sie christl. Schulen aufrichten und halten sollen (1524).

    Luther, Martin, Eine Predigt Martin Luthers, dass man Kinder zur Schule halten soll (1530).

    alle Schriften in: Martin Luther, Ausgewählte Schriften, Insel Verlag, Frankfurt 1983, Bd 5.

    Bildungsplan 2016: www.bildungsplaene-bw.de

    Elterncouch, in: Spiegel-online: www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/warum-kinder-religionsunterricht-bekommen-muessen-a-1115525.html  (aufgerufen am 22.03.2017)

Die dazugehörige PowerPoint-Präsentation können sie hier als pdf-Datei abrufen!