Sonntagsgedanken zum 2. Advent, Sonntag, 10. Dezember 2017 (Winnender Zeitung)

So viel Zeit ist noch bis Weihnachten.
„Geschafft“ dachte sich Herr Klarstein. Dieses Jahr bricht bei mir keine Hektik aus an Weihnachten. Die Geschenke waren gekauft und auch schon in glänzendem Weihnachtspapier verpackt. Die Weihnachtsgans war schon gebraten und schlummerte nun in der Tiefkühltruhe. Die brauchte man nur noch heiß zu machen und dann sofort genießen. Der Großputz war erledigt. Die Bahnkarte war auch schon gekauft für den Besuch bei seiner Tante am zweiten Feiertag, der Christbaum lag auch schon in seinem Netz hinter der Garage. Die Weihnachtspost war schon geschrieben und bereits auf dem Postweg. Die Plätzchen waren gebacken und fein säuberlich in die Dosen geschichtet.

 

Nun hatte er also - wie er es sich vorgenommen hatte - Zeit, sich auch das wesentliche in der Adventszeit zu konzentrieren und die besinnliche Zeit zu genießen.

 

Also kochte er sich einen Tee, richtete einen schönen Adventsteller mit seinen selbst-gemachten Plätzchen her, zündete die erste Kerze am Adventskranz an. Und als sich die Adventsbesinnlichkeit immer noch nicht einstellen wollte zündete er noch eine Kerze in dem alten Kerzenständer an. - Aber die besinnliche Stimmung wollte sich immer noch nicht einstellen. - Natürlich, da fehlte die Musik, dachte er sich und legte die Weihnachts-CD in den CD-Spieler ein. Aber auch nachdem sie dreimal durchgelaufen war stellte sich immer noch keine Besinnlichkeit ein. Vielleicht ist ja zu hell hier, also löschte er das elektrische Licht, so dass er den verschneiten Garten draussen sehen konnte. - Aber immer noch wurde es nicht besinnlich. Die erste Kanne Tee war inzwischen auch leer geworden und so machte er sich eine neue, diesmal um ja alles richtig zu machen mit dieser Teemischung ‚Adventszauber‘.

 

Merkwürdig dachte Herr Klarstein: Es sieht alles aus wie Advent, riecht wie Advent, hört sich an wie Advent und schmeckt wie Advent, aber irgendwie schien doch etwas zu fehlen. Aber was? Hatte er nicht alles aufs Beste vorbereitet und rechtzeitig in die Wege geleitet?

 

Wie er so nachdachte, achtet er genauer auf den Text der Lieder auf seiner Weihnachts-CD. Macht hoch die Tür die Tor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit. hieß es da und da war von Hirten und von Engeln die Rede, die die frohe Botschaft weitertragen, dass Gott auf die Erde kommt und einer von uns wird.

 

„Wie konnte ich das nur vergessen.“ dachte Herr Klarstein. „Gott kommt auf die Erde und wird Mensch, die Welt des Himmels und die irdische Welt berühren sich. Gott kommt auf Augenhöhe.“ „Bin ich bereit für so viel Nähe Gottes?“

 

Einen besinnlichen 2. Advent wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Gerhard Forster

 

Pfarrer Gerhard Forster, Evangelische Kirchengemeinde Schwaikheim

 

 

Sonntagsgedanken zum 1. Advent - 03. Dezember 2017

Licht
Ein kleiner Junge liegt im Bett. Seine Mutter sitzt neben ihm, hält ein Buch in den Händen und liest daraus vor. Es ist Abend. Abends gibt es eine Gute-Nacht-Geschichte, mal liest der Vater vor, heute die Mutter. Als das Kapitel zu Ende ist, klappt sie das Buch zu. Noch während sie zur Tür geht, um jetzt das Licht auszumachen und eine Gute Nacht zu wünschen, ruft ihr Sohn: „Aber du lässt die Tür einen Spalt offen, ja?! Und das Licht im Flur an!“ „Aber ja doch“, sagt sie, „das machen wir doch jeden Abend so. Schlaf gut!“ Gebannt schaut der Junge seiner Mutter hinterher, wie sie das Licht im Zimmer löscht und nach draußen geht. Von innen sieht er ihre Hand, wie sie den Türspalt abmisst, so, dass nicht zu viel und nicht zu wenig Licht ins dunkle Zimmer fällt. Dann entfernen sich ihre Schritte. Der Junge kuschelt sich beruhigt in seine Decke.

In unzähligen Häusern rund um den Erdball wiederholt sich diese Szene jeden Abend auf ähnliche Weise. Denn in einem dunklen Zimmer hat die kindliche Phantasie zu viele Anhaltspunkte: Die Kiste auf dem Schrank sieht plötzlich aus wie ein Bär, die Gardine bewegt sich wie ein Mensch, und der Schatten an der Wand – wer ist das?

Eltern können noch so gekonnt erklären, wie Schatten entstehen und dass Kinder im Dunkeln keine Angst zu haben brauchen. Erst der offene Türspalt macht die Dunkelheit erträglich. Der Lichtstrahl, der ins Zimmer hereinblickt, bannt die Geister. Er ist die Sicherheit dafür, dass Mama und Papa da sind. Sie sind zwar nicht mehr zu sehen, wohl aber im Haus und können im Ernstfall gerufen werden.

Jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit sind unsere Wohnungen und Städte von unzähligen Lichtern erhellt. Am Adventskranz leuchten Kerzen, an Weihnachtsbäumen funkeln zahlreiche Lichter, ganze Gebäude sind mit Lichterketten geschmückt. Diese Lichter in der Advents- und Weihnachtszeit stehen für Jesus, der von sich gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis.“ Historisch gesehen war Jesus lediglich eine kleine Zeit auf Erden. Die offene Tür jedoch, die er mit seinem Kommen geöffnet hat, und der Lichtstrahl, der mit ihm in unsere dunkle Welt gekommen ist, sie sind seitdem bleibend da.

Pfarrerin Anne Koch, Beinstein


Sonntagsgedanken zum 19. November 2017 (Waiblinger Zeitung)

Verbunden
Am Sonntag ist Tag der offenen Tür in der Jugendkirche Waiblingen. Die evangelische Kirchengemeinde hatte beschlossen, das Dietrich-Bonhoeffer-Haus in der Talstraße 11 zusammen mit dem Evangelischen Jugendwerk, dem CVJM und den Pfadfindern als Ort für die Jugend zu nützen. Jetzt können die hergerichteten Räumlichkeiten am Sonntag von 14.30 Uhr an besichtigt werden.

Ich finde es gut, dass es die Jugendkirche gibt. Jugendliche brauchen einen eigenen Raum und eigene Möglichkeiten für ihren Weg ins Leben. Da muss man sich abgrenzen von den Autoritäten wie Eltern, Lehrer und auch Pfarrer. Einen ganz eigenen Stil gilt es zu finden und zu entwickeln. Das trifft auf alle Lebensbereiche zu. Und damit auch auf den Bereich des Glaubens. Junge Menschen leben ihre ganz eigene und ganz besondere Religiosität. Dazu ist in der Jugendkirche Platz. Ein guter Ort, sich und seinen Glauben dort auszuprobieren.

Zur eigenen individuellen Entwicklung gehört auch die Erfahrung von Gemeinschaft. Deshalb ist es schön, wenn sich in der Jugendkirche eine junge Gemeinde findet. Mit vielfältigen Interessen, beim Erleben von Musik, Sport, Tanz, Abenteuer usw. und beim gemeinsamen Feiern. Jung, frisch, unkonventionell kann das geschehen. In einem guten Miteinander. Die drei Verbände Evangelisches Jugendwerk, CVJM und Pfadfinder stehen für ein breites Angebot, das in der Jugendkirche, auf Freizeiten und bei vielen anderen Gelegenheiten stattfindet.

Wenn aus Jugendlichen dann Erwachsene werden, ändert sich noch mal Vieles. Dann wird man selbst Teil des Establishments und der Autoritäten, gegen die man sich aufgelehnt und von denen man sich abgegrenzt hat. Und man fängt erneut an zu suchen: nach Orten der Ruhe, der Besinnung, auch nach Gemeinschaft beim Singen, Musizieren, Tanzen usw. Aber eben anders als in der Jugendkirche.

Was Kinder, Jugendliche und Erwachsene aber verbindet, ist die Erfahrung und der Glaube, von Gott begleitet durchs Leben zu gehen. Deshalb, ganz gleich wie alt oder jung, lasst uns die Orte suchen und finden, an denen wir unseren Glauben in Gemeinschaft mit anderen leben können. Und schauen wir mal in der Jugendkirche vorbei, um zu erleben, was dort geschieht.


Pfarrer Matthias Wagner, Evangelische Kirchengemeinde Waiblingen
  

Sonntagsgedanken zum 19. November 2017 (Winnender Zeitung)

Trauern? Bußen? Beten? Leben!
Trauern? Wie kann ich trauern als Nachgeborener? Die Gefallenen der Weltkriege sind mir unendlich weit weg. Doch Trauern bedeutet nicht allein Traurig-Sein. Zum Trauern gehört auch das Erinnern. Ich erinnere mich an das, was geschehen ist. Ich stelle mich der Geschichte, die auch von mir, als Nachgeborener, Verantwortung verlangt. Ich erkenne, dass bis heute Krieg und Gewalt um mich herum herrschen.

Büßen? Nein, büßen möchte keiner gern. Aber ich glaube, dass da ganz viel Heilsames drinsteckt. Ich erkenne, dass ich nicht perfekt bin. Dass ich Schwächen und Fehler habe. Und dazu stehen kann. Das wäre doch mal eine Chance: Benennen, was gescheitert ist, was falsch war. Anstatt mich nur profilieren zu müssen.

Beten? Vielleicht wäre das ein Anfang. Im Gebet kann ich vor Gott für den Frieden einstehen. Ich kann mich der Menschen erinnern, die in keiner friedlichen Umgebung leben. Menschen in Kriegsgebieten, auf Flüchtlingsrouten, in gewalttätigen Beziehungen. Ich kann auch mein Scheitern und mein Stückwerk in die Hände eines gnädigen und liebevollen Gottes legen.

Leben! Klar, das will ich. Bewusst und achtsam will ich leben. Der Volkstrauertag morgen, und der Buß- und Bettag am Mittwoch, können mir dabei helfen: Indem ich nicht vergesse und meine Verantwortung für eine demokratische Gesellschaft wahrnehme. Indem ich bekenne, dass ich selbst nicht alles kann und auch mal was falsch mache. Indem ich meine Lasten mit Gott teile, ohne über sie und die Not anderer hinwegzusehen.

So kann ich bewusst und achtsam leben. So bekomme ich Freiheit für mein Handeln und neue Kraft, es auch zu tun.

Pfarrer Philipp Essich, Evangelische Kirchengemeinde Winnenden

Sonntagsgedanken zum 12. November 2017 (Winnender Zeitung)

Schule 4.0
Unsere Lehrerin hat uns einen bestimmten Satz nachhaltig verboten; den Satz „Das weiss ich nicht.“ Sie hat ihn stets verbessert in: „Das fällt mir im Moment nicht ein“ oder „Ich komme gerade nicht drauf“ - so lange, bis wir Schüler es alle verinnerlicht hatten. Zunächst klingen die Sätze ganz ähnlich; sie sind es aber nicht. „Das weiss ich nicht“ ist resignierend; ich bin ein Versager. Hinter „Ich komme gerade nicht darauf“ steht ein Eigentlich. Eigentlich weiss ich es, leider hindert mich im Moment etwas daran, es zu erinnern. - Ähnlich ging unsere Lehrerin mit dem Satz um „Das kann ich nicht.“

Worte können sehr flüchtig sein und keinerlei Spuren hinterlassen. Worte können unser Bewusstsein verändern. Das verbessernde Wort meiner Lehrerin hat mein Bewusstsein nachhaltig verändert. Es hat meine bis dahin schwache Überzeugung gestärkt, dass ich dem Leben und seinen Aufgaben gewachsen sein würde. Vor einer Herausforderung weglaufen war nicht mehr. Die Hindernisse, die sich mir im Lauf der Jahre bestimmt entgegenstellen würden, waren „eigentlich“ bewältigbar.

Unser Schulsystem ist in einem dauernden Veränderungsprozess. Wir sind dabei, viel Geld aus der Hand zu geben, um die Schulen digital aufzurüsten. Sicher wichtig, um unsere Kinder auf jene Welt vorzubereiten, in die sie hineingehen; sicher mit der Möglichkeit, viele Lerninhalte nicht mehr über Lehrerinnen, sondern über Lernprogramme und Internet zu vermitteln. Allerdings hat die Schule nicht nur die Aufgabe, Lernstoff zu vermitteln; sie hat auch - meiner Überzeugung nach zuerst - die Aufgabe, den Schülerinnen und Schülern zu helfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und das, was an Begabungen in ihnen steckt, zu fördern. Dazu werden auch künftig Lehrkräfte erforderlich sein wie meine Lehrerin.

Schon bald nach der Geburt zeigt sich, dass Menschen sehr unterschiedliche Begabungen haben und nicht haben. Mir als Christ ist wichtig: Ich bin mit dem, was ich alles nicht kann, kein Betriebsunfall der Natur, sondern von einem Schöpfergott so gewollt. Die Herausforderungen, die ich zu bestehen habe, sind auf mich und meine Möglichkeiten zugeschnitten. Deshalb kann ich sie - eigentlich - bestehen; vielleicht nicht gleich, vielleicht muss ich vorher an mir arbeiten; aber am Ende doch. Mein Nebensitzer in der Schule hat andere Begabungen und deshalb andere Herausforderungen. Es gibt keinen Grund, auf ihn neidisch zu sein; wenn ich seine Begabungen hätte, hätte ich auch seine Herausforderungen. Es ist im Gegenteil schön und befreiend, dass wir unterschiedliche Begabungen haben. Gut, dass wir nicht alle Köche sind und nicht alle in Rimini Urlaub machen wollen!

Und gut, dass es Lehrerinnen und Lehrer gibt, die die pädagogische Basisarbeit tun, unsern Kindern und Enkeln zur Erkenntnis verhelfen, dass das Leben sie mit jenen Begabungen, die sie haben, nicht überfordern wird!

Pfarrer i.R. Dr. Thomas Weinmann, Winnenden 


Sonntagsgedanken zum 12. November 2017 (Waiblinger Zeitung)

Was bleibt vom Reformationsjahr 2017?
Das 500. Reformationsjubiläum am 31.10.17 liegt nun hinter uns. Manche sagen: endlich. Es gab im letzten Jahr unzählige Veranstaltungen, die mit Martin Luther zu tun hatten. Und ich denke, es ging nie darum, einen "Helden" zu feiern, sondern einen Menschen in den Blick zu nehmen, auch mit seinen Schattenseiten. Letztlich ging es auch um mehr als um eine einzelne Person. Man konnte sich die Ereignisse damals vergegenwärtigen, die die Geistesgeschichte beeinflusst haben und die zur Spaltung der abendländischen Kirche führten. Die vielen Veranstaltungen haben sicherlich ein neues Interesse an der Reformationszeit wecken können. Und möglicherweise sind auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nun "schlauer" als vorher, was das Wissen über die Zeit damals betrifft.

Bei all den Feierlichkeiten und all dem zusätzlichen Geschichtsunterricht kann man auch auf die theologischen Erkenntnisse schauen, für die Martin Luther einstand. Es sind Erkenntnisse, die heute die Christenheit nicht mehr wirklich trennen: dass wir einen gnädigen Gott haben und dass dieser Glaube an den gnädigen Gott froh macht; dass jeder Mensch bei Gott gleich wichtig und bedeutsam ist; dass es Bibel und Gottesdienst in der Landessprache geben sollte; dass ein Glaubender mit Hilfe von Bildung mündig werden soll, den Glauben selbst zu durchdenken und ihn an andere weiterzugeben – z.B. in Schulen und Universitäten.

Heute, nach 500 Jahren, scheint es mir wichtig, dass wir das Gemeinsame zwischen den Christen betonen und nicht die Dinge, die uns seit damals (noch) trennen. Denn wir leben heute in einer Zeit, wo die Welt äußerlich unsicherer wird. Es ist eine Schwellenzeit, wie zur Zeit Martin Luthers. In dieser Epoche des Wandels ziehen sich Menschen reflexartig zurück auf ihren eigenen kleinen Bereich. Es findet vielerorts ein Rückzug statt – Rückzüge aus der Gemeinschaft, sowohl in der Beziehung zwischen Staaten, in der Nachbarschaft wie auch im ganz Privaten. Gerade deswegen braucht es eine Gegenbewegung dazu, eine „Re-Reformation“, d.h. eine Bewegung, die die Menschen wieder in die Gemeinschaft führt, unabhängig davon, in welche „Schublade“ Menschen sich gegenseitig einsortieren. Auch der Heilige Geist fragt nicht danach, wie sich ein Mensch nennt - katholisch, orthodox, lutherisch, neuapostolisch, freikirchlich ... - wenn er in einem Menschen Raum hat und durch diesen Menschen Gutes wirkt.

Daher ist das Reformationsjahr 2017 ein Anlass, sich auf das Gemeinsame zu besinnen: „Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Korinther 3,11)

Pfarrer Dr. Sönke Finnern, Evangelische Kirchengemeinde Bittenfeld



Sonntagsgedanken zum 05. November 2017

Zurück zum Julistern im Andromeda-Nebel
Wohin gehen wir, wenn wir dieses Leben durch die Tür des Sterbens verlassen? Eine Frage, die unsere Vorstellungskraft anregt und an ihre Grenzen führt. Mehrere Filme der letzten Jahre erzählen von Kindern, die sich während ihrer schweren Erkrankung mit dieser Frage beschäftigen. Einer dieser Filme ist „Mondscheinkinder“ aus dem Jahr 2007.

Der kleine Paul hat‘s schwer. Er ist ein ‚Mondscheinkind‘; er hat eine Krankheit, die bedeutet, dass er kein Sonnenlicht vertragen kann, dass er sich also draußen im Dunkeln aufhalten darf, denn sonst würden sich auf seiner Haut schnell Tumore bilden. Dabei würde Paul so gerne auf den Spielplatz und in die Schule gehen. Seine größere Schwester Lisa tröstet ihn mit ihren Geschichten von fernen Sternen und Galaxien. Könnte es sein, dass Paul, der die Sonne auf dieser Welt nicht verträgt, in Wirklichkeit zu einer fremdem Spezies gehört, von einem Stern im Andromeda-Nebel stammt? Und dass er jetzt, wo seine Krankheit schlimmer wird, sich darauf vorbereiten muss, als tapferer Astronaut auf seinen Heimatstern zurückzukehren?

Und dann ist da Simon, netter Schulkollege von Lisa und glücklicherweise total für Astronomie begeistert, denn er will Astronaut werden. Am Anfang versteht Simon überhaupt nicht, warum sich Lisa immer um ihren Bruder kümmern muss und so wenig Zeit für ihre Freundschaft hat. Und dann kommen sich Lisa und Simon beim Sternschnuppen-Schauen im Juli näher, und irgendwann erfährt und begreift Simon, wie schwer krank Paul wirklich ist. Und nun wird Simon Teil der Geschichten von Lisa und Paul; die drei gehen ins Technikmuseum, wo die dort aufgebauten Raketen Pauls Träume noch beflügeln. Der Zustand von Paul verschlechtert sich, er muss ins Krankenhaus. Lisa und Simon entführen Paul heimlich nachts aus der Klinik und nehmen ihn mit zur Sternwarte, wo er seinen Heimatstern im Andromeda-Nebel sehen kann.

Irgendwann spüren alle, dass Pauls Zeit auf dieser Erde zu Ende geht und der Moment gekommen ist für den Start heim zu seinem Stern, für Paul ein großes Abenteuer, für seine Familie der traurige Moment seines Sterbens. Am Ende des Films sitzen Lisa und Simon wieder auf der Wiese bei der Sternwarte, es fällt eine Sternschnuppe, und das ist das Zeichen, das Paul schicken sollte, wenn er auf seinem Heimatstern angekommen ist.

Ist Sterben Heimkehren? Weiß ich, wo es einmal hingeht und wo mein ‚Heimatstern‘ ist? Heimkehren, nach Hause kommen, dahin, wo mich jemand erwartet. Zeit haben zum Ausruhen, einfach bleiben dürfen.

Die Bibel hat viele Bilder, um zu erzählen, wie es sein könnte, wenn ich wie durch ein offenes Tor aus diesem Leben hinausgehe in ein anderes, weites, großes. Es sind Bilder von Gerechtigkeit und Ausgleich, vom Zusammenfügen meines Lebenspuzzles, von Reinigung und Versöhnung, von getrockneten Tränen, Bilder vom Paradies, vom Leben in Gemeinschaft, von einem Fest ohne Ende. Astronauten und Heimatsterne finden sich in der Bibel eher weniger, aber immerhin gibt es da eine Spur von Hoffnung, die auch Lisa, Simon und Paul teilen: Wir sind Reisende, noch unterwegs, und unsere Heimat ist im Himmel.

Der Film „Mondscheinkinder“ ist u.a. im Kreismedienzentrum entleihbar.

 

Thomas Raiser, Pastoralreferent der italienischen katholischen Gemeinde S. Antonio da Padova Waiblingen in der Seelsorgeeinheit Waiblingen - Korb - Neustadt

 

 

Sonntagsgedanken zum Reformationsjubiläum, 31. Oktober 2017

Du bist geliebt.
Am Anfang der Evangelischen Kirche war Erleichterung, Aufatmen, Freiheit: Jeder Mensch ist geliebt. Keiner wird übergangen. Großes soll entstehen auf dem Weg der Kirche. Sie riefen einander zu: „Lasst uns die Welt verändern!“ „Wendet euch von allem ab, was Lebenskraft raubt!“ „Konzentriert euch auf Gott, der so schön und klar das erlösende Wort der Liebe gesprochen hat.“ Sie diskutierten und predigten über Jesus Christus, der dieses erlösende Wort verkörpert. Im Gebet öffneten sich ihnen Pforten zu einem neuen, freien Lebensverständnis.

Die Verdienste der Reformation um den Glauben, die Kultur, Politik und Wirtschaft sind heute unbestritten. Und doch: ein halbes Jahrtausend trennt uns von dieser Kirchenvolksbewegung.

Welche Kirchenvolksbewegung bräuchte es heute in Europa? Da lässt sich manches sagen. Zwei Beispiele möchte ich hier aufführen: Wir feiern heute Reformation nicht mehr gegen die Katholische Kirche. Wir feiern Reformation mit der Katholischen Kirche. Die Streitpunkte, die damals kirchentrennend waren, sind heute auf gute Weise ausgeräumt. Natürlich gibt es noch ein paar Unebenheiten, aber bald können wir eucharistische Gastfreundschaft pflegen – so wahr wir uns von Jesus Christus bewegen lassen. Das zweite Beispiel: Wir feiern Reformation im Jahr 2017 nicht mehr gegen den Kaiser. Wir leben – Gott sei Dank - in einem weltanschaulich neutralen Staat, der es allen seinen Bürgern erlaubt, ihren jeweiligen Glauben aktiv zu praktizieren und sich zum Wohl der Gesellschaft einzubringen. So begann der Sozialstaat und so entwickelte sich die freiheitliche Demokratie. Eine Kirchenvolksbewegung wird daher allen Scharlatanen entgegentreten, die die Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit einschränken wollen und Lügen verbreiten. Jesus hat uns ins Stammbuch geschrieben: „Die Wahrheit wird euch frei machen“. Das ist ein bleibender Auftrag.

Darum geht es der Evangelischen Kirche AUCH im Rems-Murr-Kreis: Sie bietet im Namen Jesu für alle Menschen einen Raum der Liebe, Wahrheit, Geborgenheit und Freiheit.

Dekan Timmo Hertneck, Evangelischer Kirchenbezirk Waiblingen


 

Sonntagsgedanken zum 29. Oktober (Waiblinger Zeitung)

Frei genug, für die Freiheit anderer einzutreten
Liebe Leserinnen und Leser,

„Nun freut euch, lieben Christen g’mein…“ –

Am 31. Oktober erreichen wir die 500-Jahr-Marke der Reformation. Ein Jahr lang hat die evangelische Kirche ihre Geschichte und ihre aktuelle Rolle unter die Lupe genommen. Sie hat es mit protestantischer Ernsthaftigkeit getan. Zwar wurde die Judenfeindschaft des Reformators mancherorts heruntergespielt, von seiner unglücklichen Rolle im Bauernkrieg ganz zu schweigen. Doch insgesamt wurde ehrlich hingeschaut. Wir sehen heute genauer, wo Luther auch Fehlentscheidungen traf.

Deshalb ist dieses Reformationsjahr nicht nur Anlass zum Feiern, sondern vor allem zum Gedenken: An die Weichenstellungen, die damals im 16. Jahrhundert vorgenommen wurden. An die Strukturen, die noch lange nachwirken. An die Konsequenzen, die bis heute – auch schmerzlich – spürbar sind. Eine dauerhafte Spaltung der Kirche ist zu beklagen, auch wenn sie aktuell als ökumenische Vielfalt gelebt wird.
Dieses Reformationsjahr sollte uns aber vor allem daran erinnern, dass die Reformation eine Befreiungsbewegung war. Die Botschaft von Gottes bedingungsloser Liebe, verschüttet von Ängsten und Korruption, sollte wieder ankommen.

Darum geht es auch heute. Was heißt das? Historienfilme mit Talaren und samtenen Wämsern haben es während der letzten zwölf Monate eher verdeckt als offenbart:

Was heißt das: so frei zu sein, für die Freiheit anderer einzutreten?

Was heißt das: Gottes Wort und dem eigenen Gewissen so eng verbunden zu sein, dass einen auch die imposantesten Machtdemonstrationen nicht davon abbringen, das als richtig Erkannte zu tun?

Am Mittwoch, den 25. Oktober, hat in der Türkei der Prozess gegen den deutschen Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner begonnen. Stressbewältigung und verschlüsseltes Kommunizieren im Internet hatte er unterrichtet und wurde vom Regime als Terrorist eingestuft.

Ich weiß nicht, welche Überzeugungen Herrn Steudtner tragen. Für mich ist sein Engagement das Zeugnis, dass der Geist der Reformation heute nötiger ist denn je: Befreit von Federhüten und Puffärmeln, gegen repressive Entwicklungen in der Welt.

Martin Luther hat die Kraft zum Widerstand aus seiner Lektüre der Bibel bekommen. Als er den Römerbrief studierte, ist ihm aufgegangen, dass Gott selbst den Menschen gerecht macht, ihn frei und liebevoll haben will. Wer das ganz tief in sich aufnimmt, braucht sich vor keiner Macht der Welt zu fürchten. Nachlesen kann man es in Römer 1,16+17.

Für uns heutige könnte es sich so anhören: Du, Mensch, bist größer und freier als du denkst. Du bist Gottes geliebtes Kind: Freu dich daran und steh für die ein, denen Freiheit und Würde verwehrt werden.
Mit den Gedanken bei Peter Steudtner und den vielen, denen gleiches widerfährt, wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Reformationsfest.

Ihre Pfarrerin Antje Fetzer

Pfarrerin Dr. Antje Fetzer, Evangelische Kirchengemeinde Waiblingen, Gemeindebezirk Michaelskirche



Sonntagsgedanken zum 29. Oktober 2017 (Winnender Zeitung)

Feiertag
Ein Feiertag ist uns gegönnt, allen, auch denen, die nicht evangelisch sind. Für die evangelischen Gemeinden ist der Anlass  „500 Jahre Reformation“ ein Jubiläum. Für die katholischen Gemeinden ein Gedenken. Es ist für Katholiken keine Trauerfeier, eher eine Besinnung auf ein Ereignis, dass die katholische Kirche geprägt hat. Es brachte eine Korrektur, die in der Kirchengeschichte nur noch mit der Reformbewegung des Heiligen Franziskus zu vergleichen ist.

Bis heute ist diese Korrektur heilsam. Gerade dort, wo die beiden großen Konfessionen fast gleich stark nebeneinander leben, scheinen sie am besten zu blühen. Dort wo die Katholiken ganz unter sich sind, beobachten wir sehr viel Selbstgefälligkeit und Allzumenschliches. Der Blick auf den christlichen Auftrag  „Geht zu den Menschen, heilt ihre Krankheiten und verkündet die frohe Botschaft“, dieser Blick geht da oft verloren.

Dort aber, wo zwischen den Gemeinden eine gewisse Konkurrenz ist, dort geben sich die Gemeindemitglieder mehr Mühe und achten mehr auf ihre Glaubwürdigkeit. Es ist keine Konkurrenz, die den anderen vernichten will, sondern eher ein sportlicher Wettkampf, ein eifriger Einsatz, gut zu sein.
Ich glaube dieser Vorsprung ist sichtbar, wenn man auf die Gegenden schaut, wo Katholische oder Evangelische noch ganz unter sich sind.

Was für die Konfessionen gilt, das gilt auch für die verschiedenen Kulturen, die in unserer Gesellschaft zusammengewürfelt sind. Ein gesundes Wetteifern ist für alle gut. Konkurrenz belebt nicht nur die Wirtschaft, sie macht auch unser Leben spannend. Dabei ist es wichtig, diese Konkurrenz im fairplay zu gestalten, den Konkurrenten wertzuschätzen und den Humor nicht zu verlieren.

Gerade die gelassene Selbstironie zeugt dabei von Größe. Die evangelische Kirchengemeinde von Winnenden hat dies auf hervorragende Weise gezeigt in dem Theaterstück zum Reformationsgedenken, das diese Tage in der Schlosskirche zu erleben war.

Ein solcher Geist ist wegweisend in den Kirchengemeinden und in der Gesellschaft.

 

Pfarrer Gerald Warmuth, katholische Seelsorgeeinheit Winnenden-Schwaikheim-Leutenbach

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 22. Oktober 2017 (Waiblinger Zeitung)

Winterschlaf
Es wieder soweit: viele Tiere suchen sich ein schön warmes, schnuckeliges Plätzchen, wo sie gut überwintern können. Einen Ort zum Schlafen. Sie entgehen so der kargen, manchmal etwas trostlosen Zeit. Sie bekommen nichts mit von Kälte und Nässe. Die Körpertemperatur fährt runter und Atem und Puls werden ruhiger.

Was für eine Vorstellung! Einfach die Decke über den Kopf zu ziehen und die Augen zu schließen. Und das nicht nur, weil die dunkle, kalte Jahreszeit vor uns liegt, sondern weil die Welt sooft ihre kalte Schulter zeigt: Korruption, Terror, Rassismus, Ausbeutung, Hass, Streit, Ungerechtigkeit…

Es sind Themen, die den Puls in die Höhe treiben. Sie wollen bekämpft werden, weil Frieden, Gerechtigkeit und Liebe Herzensthemen sind. Damit dieser Traum von einem besseren Leben und einer friedlichen Gesellschaft lebendig bleibt, muss man Luft holen und Kraft tanken.  

Wie die Tiere sollten wir uns auf die Suche nach Orten begeben, wo wir dies tun können: abschalten und zur inneren Ruhe kommen. Dort, wo es uns so warm ums Herz wird, dass wir einfach die Augen schließen können. Bei jedem Menschen sieht dieser Ort zum Kraftholen anders aus. Eigentlich sind diese Orte vielmehr Momente. Momente, die ein bestimmtes Gefühl schenken. So wie wenn kleine Kinder die streichelnde Hand auf dem Bauch spüren oder die Gute-Nacht-Melodie ihre Ohren streicheln. An diesen Orten ist Gott zu spüren, über den gesagt wird: „Der dich behütet, schläft nicht“ (Ps 121,3). Es ist ein Gott mit liebevollen Augen über seinen schlafenden Kindern. In den Momenten, wo wir den Kopf abschalten und uns fallen lassen, ist diese Zusage Gottes zu fühlen.  

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich gemeinsam mit den Tieren auf die Suche nach einem Winterschlafplatz begeben, um den Puls runterzufahren. Dass Sie in der kommenden Zeit Momente erleben, in denen Sie einfach die Augen schließen können; am besten mit dem Volkslied von Wilhelm Hey im Ohr „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“.  Damit Sie es immer wieder hören können: Gott hat seine Schöpfung im Blick. Er schläft nicht, sondern behütet jedes Kindlein und jeden Erwachsenen, weil er sie liebt.

Schließen Sie die Augen und lauschen den liebevollen Tönen. Und dann: Schlafen Sie gut!


Vikarin Judit Feser, Evangelische Kirchengemeinde Korb

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 15. Oktober 2017 (Waiblinger Zeitung)

Vielfalt, die bereichert
Die Vielfalt der Formen und Farben, die uns die Natur im Herbst schenkt, fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue. Der Farben- und Formenreichtum ist ein wahrer Augenschmaus und ein Trost für die kürzer werdenden Tage. Die Natur ist uns gegeben und bleibt eine unvergleichliche Lehrmeisterin für unser Leben und Zusammenleben und lässt mich in diesen Tagen über unser bewusst gestaltetes Leben nachdenken.

 

Leben vollzieht sich im Privaten wie im Gesellschaftlichen. Wollen wir auch hier die Vielfalt erhalten, frage ich mich in der letzten Zeit oft. Oder nur das, was quasi austauschbar, in jeder Stadt Einzug gehalten hat? Zum Beispiel die üblichen und meist gesichtslosen Ladenketten, die es überall gibt. Sicher nicht nur mich berührt es jedes Mal schmerzlich, wenn ich sehe: Auch dieser kleine Laden musste aufgeben. Der Einzelhandel hat es in diesen Tagen extrem schwer.

 

Aber warum wollen wir Online-Riesen das Feld so einfach überlassen? Wollen wir wirklich Bücher, Kleider, Tassen, Einrichtungsgegenstände – die schönen Dinge – nur noch auf dem Bildschirm anschauen? Ich meine, dass unser Leben dadurch an Qualität verliert. Uns nicht nur virtuell bewegen, sondern mit allen Sinnen inspirieren lassen durch einen Tipp einer freundlichen Verkäuferin, die mich individuell und kompetent berät! Das ist doch Mehrwert pur! Wie viel ist es uns wert, Vielfalt zu erhalten? Durch unser Einkaufsverhalten können wir Entwicklungen beeinflussen, können wir unsere Umwelt gestalten, und das Tag für Tag.

 

„Die Welt ist schön, und es lohnt sich, für sie zu kämpfen.“ Diesen Spruch von Ernest Hemingway habe ich vor wenigen Tagen an eine Ehrenamtliche verschickt. Ja, jeder und jede ist wichtig. Gott traut uns zu, dieses Leben im Großen wie im Kleinen so zu gestalten, damit es schön wird und bleibt; eine Botschaft, die sowohl aufrichtet als auch dunkle Gedanken vertreibt.

 

Ich wünsche Ihnen allen von Herzen eine bunte und frohe Herbstzeit!

 

Brigitte Scherer, Pastoralreferentin der katholischen Seelsorgeeinheit Waiblingen – Korb – Neustadt