Sonntagsgedanken zum 2. Advent - 10. Dezember 2017 (Winnender Zeitung)

So viel Zeit ist noch bis Weihnachten.

„Geschafft“ dachte sich Herr Klarstein. Dieses Jahr bricht bei mir keine Hektik aus an Weihnachten. Die Geschenke waren gekauft und auch schon in glänzendem Weihnachtspapier verpackt. Die Weihnachtsgans war schon gebraten und schlummerte nun in der Tiefkühltruhe. Die brauchte man nur noch heiß zu machen und dann sofort genießen. Der Großputz war erledigt. Die Bahnkarte war auch schon gekauft für den Besuch bei seiner Tante am zweiten Feiertag, der Christbaum lag auch schon in seinem Netz hinter der Garage. Die Weihnachtspost war schon geschrieben und bereits auf dem Postweg. Die Plätzchen waren gebacken und fein säuberlich in die Dosen geschichtet.

Nun hatte er also - wie er es sich vorgenommen hatte - Zeit, sich auch das wesentliche in der Adventszeit zu konzentrieren und die besinnliche Zeit zu genießen.

Also kochte er sich einen Tee, richtete einen schönen Adventsteller mit seinen selbst-gemachten Plätzchen her, zündete die erste Kerze am Adventskranz an. Und als sich die Adventsbesinnlichkeit immer noch nicht einstellen wollte zündete er noch eine Kerze in dem alten Kerzenständer an. - Aber die besinnliche Stimmung wollte sich immer noch nicht einstellen. - Natürlich, da fehlte die Musik, dachte er sich und legte die Weihnachts-CD in den CD-Spieler ein. Aber auch nachdem sie dreimal durchgelaufen war stellte sich immer noch keine Besinnlichkeit ein. Vielleicht ist ja zu hell hier, also löschte er das elektrische Licht, so dass er den verschneiten Garten draussen sehen konnte. - Aber immer noch wurde es nicht besinnlich. Die erste Kanne Tee war inzwischen auch leer geworden und so machte er sich eine neue, diesmal um ja alles richtig zu machen mit dieser Teemischung ‚Adventszauber‘.

Merkwürdig dachte Herr Klarstein: Es sieht alles aus wie Advent, riecht wie Advent, hört sich an wie Advent und schmeckt wie Advent, aber irgendwie schien doch etwas zu fehlen. Aber was? Hatte er nicht alles aufs Beste vorbereitet und rechtzeitig in die Wege geleitet?

Wie er so nachdachte, achtet er genauer auf den Text der Lieder auf seiner Weihnachts-CD. Macht hoch die Tür die Tor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit. hieß es da und da war von Hirten und von Engeln die Rede, die die frohe Botschaft weitertragen, dass Gott auf die Erde kommt und einer von uns wird.

„Wie konnte ich das nur vergessen.“ dachte Herr Klarstein. „Gott kommt auf die Erde und wird Mensch, die Welt des Himmels und die irdische Welt berühren sich. Gott kommt auf Augenhöhe.“ „Bin ich bereit für so viel Nähe Gottes?“

Einen besinnlichen 2. Advent wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Gerhard Forster