Gedanken zum 22. April 2018 (Winnender Zeitung)

Hättest du doch …
Hättest du doch ... in der Schule besser aufgepasst, dann hättest du jetzt einen besseren Beruf. Hättest du rechtzeitig vorgesorgt, dann müsstet du dir jetzt im Alter keine Sorgen machen. Hättest du dich mehr engagiert, dann würdest du jetzt im Betrieb aufsteigen.

Hättest du doch … So fangen viele Sätze an, in denen viele „wohl gemeinte Ratschläge“ versteckt sind und die uns auch gleichzeitig klar machen sollen, wie dumm und unüberlegt wir doch manchmal handeln.

Hättest du doch … Keiner von uns hört solche Sätze gern, weil sie oft unsere Schwachstellen bloßlegen und zeigen, welche Chancen wir im Leben verpasst haben.

Hättest du doch … da geht es immer darum, dass es für fast alles Bedingungen und Voraussetzungen gibt, die erst erfüllt sein müssen.

Erst müssen wir etwas bringen, unsere Zeit, unsere Kraft, unsere Leistung, unsere Aufmerksamkeit oder unser Geld. Dann erst kann etwas bewegt, entwickelt, erworben oder verändert werden. Ohne Fleiß kein Preis wie es im Volksmund kurz und prägnant heißt. Ein Prinzip, dass es schon seit Menschengedenken gibt und ein eigentlich gerechtes Prinzip, wenn alle die gleichen Möglichkeiten und Chancen haben.

Aber was ist, wenn meine Fähigkeiten nachlassen, wenn mir die Kraft fehlt, wenn ich bei der rasanten Entwicklung nicht oder nicht mehr mitkomme, wenn mich Trauer lähmt oder wenn ich ausgebrannt bin? Dann führt dieses Prinzip zu einem gnadenlosen Aussortieren derer, die es nicht oder nicht mehr bringen.

Gottes Prinzip für diese Welt formuliert Jesus ganz anders: Im Matthäusevangelium macht er die Zusage - Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken (Mt 11,28). Das ist kein guter Ratschlag im Sinne von… hättest du doch.. oder leiste erst mal was… oder nimm dich eben zusammen. Das ist das Prinzip die Lasten gemeinsam zu tragen und die Sicherheit, getragen zu werden, wenn man nicht oder nicht mehr kann.

Zugegeben, dieses Prinzip erhöht nicht unbedingt die Leistungsbilanz eines Wirtschaftsunternehmens, aber er erhöht die Qualität des Lebens. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein entlastetes und leichtes Wochenende Ihr Pfarrer Gerhard Forster


Pfarrer Gerhard Forster, Evangelische Kirchengemeinde Schwaikheim

Gedanken zum 22. April 2018 (Waiblinger Zeitung)

Liebe Leserinnen und Leser,
die Natur ist erblüht. Die schönste Zeit des Jahres lacht uns entgegen. Es ist eine Wonne, das Blütenmeer der Bäume zu schauen und sich in ihrem Blühen wiederzufinden. Der Flieder ist erwacht aus Liebe zur Sonne, warum dann nicht der Mensch aus Liebe zu Gott?

 

Es ist Zeit sich zu freuen an atmenden Farben. Es ist eine heitere Zeit, doch nicht jedem ist heiter zumute. Es ist eine fröhliche Zeit, doch nicht jeder kann fröhlich sein. Leid, Krankheit, Schmerz und Not sind auch im Frühling mit gegenwärtig. Die Seele hat ihren eigenen Kalender. Sie richtet sich nicht aus nach Sonne und Mond. Doch manchmal fällt ein Hauch von des Frühlings linden Düften auch und gerade in den, der nur noch weinen und heulen möchte. Manchmal fällt der Auferstehungsmorgen mitten in die dunkle Nacht der Sinne. Manchmal - und ein Herz stimmt wieder ein in Hermann Hesses Zeilen: „Voll Blüten steht der Pfirsichbaum, nicht jede wird zur Frucht. Sie schimmern hell wie Rosenschaum durch Blau und Wolkenflucht. Wie Blüten gehen Gedanken auf, hundert an jedem Tag – lass blühen – lass dem Ding den Lauf! Frag nicht nach dem Ertrag! Es muss auch Spiel und Unschuld sein und Blütenüberfluss, sonst wär die Welt uns viel zu klein und Leben keine Genuss“.

 

Es ist dieser leichte, heitere Ton, der sich in diesen Tagen auf die Seele legen kann, damit er nur lang und weit und tief in uns halle. Es ist dieser tief aus der Natur uns entgegenkommende Gruß, mit Tulpen und Narzissen, mit Kirsche, Apfel, Kastanie und Pfirschbaum um die Wette zu blühen in einer Freude, die Himmel und Erde durchströmt. Der Psalm 66, dieser Lobgesang aus dem Alten Testament für den morgigen Sonntag Jubilate bestimmt, ist davon erfüllt: „Jauchzt Gott alle Lande. Lobsingt zur Ehre seines Namens. Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke. Kommt und seht die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern“.

 

Ein Jubel ergeht hier, der den gesamten Kosmos vereint, nur dass es dem Menschen ins Herz gelegt ist, dies ausdrücklich zu benennen, dem Wort und Klang zu geben, was Schöpfung täglich neu bedeutet. Die kleinsten Bausteine der Materie, Proton und Elektron, von den Quarks ganz zu schweigen, wie die fernsten Galaxien mit Millionen von Sternen klingen hier zusammen. Das Blühen der Pflanzen und die Lust der Tiere reden von Gott und mitten darin steht der Mensch. Er ist dazu bestimmt, all dies zu sehen, darüber zu staunen, dem Jubel Raum zu geben, um dann dankbar mitzubauen am Garten Eden oder dem, was davon noch übrig blieb.

  

 

Pfarrer Dr. Dieter Koch, Evangelische Kirchengemeinde Korb