Gedanken zu Pfingsten, 20./21. Mai 2018

Zwei Feiertage nutzen
Zwei Feiertage sind dem Pfingstfest gewidmet. Und das ist auch gut so, denn an Pfingsten geht es um die grundlegende Erfahrung, sich geistig anrühren und berühren zu lassen. Die Pfingstgeschichte überliefert, dass der Heilige Geist vielen Menschen so sehr zu Herzen ging, dass sich dreitausend auf der Stelle taufen ließen. Dies Ereignis bildete den grandiosen Auftakt der Kirchengeschichte.

 

Wie feiern wir nun Pfingsten 2018? Wir feiern Pfingsten mit großen Gottesdiensten, mit Abendmahl, mit Feiern in den Gemeinden. Aber wir feiern Pfingsten nicht mit Bräuchen wie Krippenspielen, Passionsmusiken oder Osterkerzen. Die Symbole für Pfingsten, die uns die Bibel bietet, sind: Taube, Brausen des Windes und feuerähnlich lodernde Tropfen, die aus dem Himmel herabkommen. Aus diesen Feuertropfen hat sich in der christlichen Kunst der Heiligenschein entwickelt.

 

Aber es wäre ein schlechter Treppenwitz, wenn wir an Pfingsten anfangen würden, uns Heiligenscheine zu basteln. Unsere heutige kirchliche Kultur lebt recht gut ohne volkstümliches Brauchtum. Geistereignisse sind eben nicht sichtbar. Sie finden in der Tiefe unserer Person statt. Von dort her wirken sie in unser ganzes Leben. Unsere Taten und Worte eines Menschen geben dann sichtbar Auskunft, wes Geistes Kind wir sind. Ich wünsche allen ein gesegnetes Pfingstfest!

 

Dekan Timmo Hertneck, Evangelischer Kirchenbezirk Waiblingen

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 13. Mai 2018 (Waiblinger Zeitung)

Welcher Sonntagstyp sind Sie?
Wenn ich am Sonntagmorgen zu einem unserer Gottesdienste in Waiblingen und Umgebung unterwegs bin, dann begegnen mir die verschiedenen Sonntagstypen. Sie sind gut kenntlich an ihren Accessoires. Die einen führen den Hund aus, andere sind in voller Ausrüstung mit dem Rennrad unterwegs. Da gibt es Jogger, die sich Pfunde abquälen und andererseits die Gemütlichen mit der Brötchentüte in der Hand.

 

Dann gibt es noch die Langschläfer, die verständlicherweise am Sonntagmorgen noch nicht sichtbar werden. Nicht zu übersehen sind hingegen die Sportlichen mit den großen Sporttaschen, die auf einen Wettkampf oder ein Turnier gehen. Es gibt die Wandergruppen und an besonderen Feiertagen auch die Begleiter eines Leiterwagens, der natürlich nicht leer fährt.

 

Sie alle nützen den arbeitsfreien Tag, profitieren vom Schutz des Sonntags und der Feiertage. Alle genießen die Unterbrechung des Alltags. Alle haben Anteil an der Festlichkeit, Freiheit und Freude des Sonntags.

 

Es begegnen mir aber auch Berufstätige, die sonntags einen Dienst tun wie die Pflegekräfte unserer Sozialstationen. Und dann gibt es noch die Menschen, die zu einem Gottesdienst unterwegs sind. Sie sind oft erkennbar an der festlichen Kleidung oder am Gesangbuch unter dem Arm. Sie haben womöglich schon jemanden zu Hause abgeholt, der es nicht mehr aus eigener Kraft in die Versammlung der Christen schafft.

 

Sie feiern den Sonntag als kleines Osterfest, suchen die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Sie schätzen die Gemeinschaft mit den anderen Christen, bilden sich weiter durch eine gute Predigt, haben Freude am gemeinsamen Gotteslob. Sie erfüllen einen wichtigen Dienst für alle Menschen durch das stellvertretende Gebet. Auf die Begegnung mit ihnen freue ich mich besonders. Ich selber bin ein „gemischter“ Sonntagstyp: Ich stehe gerne früh auf, mache mich auf die Socken zu meinem Dienst als Pfarrer. Das bedeutet, zwei oder manchmal auch drei Gottesdienste zu halten. Ich stehe ungern lange in der Küche: Dazu ist der Sonntag viel zu schade. Nachmittags mache ich eine kleine Genussfahrt, bei schönem Wetter im offenen Wagen, bei schlechtem Wetter mache ich Musik oder lese. Und welcher Sonntagstyp sind Sie?

 


Pfarrer Gerhard Idler, Katholische Kirche Korb

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 13. Mai 2018 (Winnender Zeitung)

Muttertag
Der Muttertag fällt in diesem Jahr auf den Sonntag namens Exaudi – „aus dem Hören“, so auf Deutsch, soll’s kommen. Gemeint ist der Glaube an Gott, das Vertrauen auf sein uns zugesprochenes Wort. Aus dem Hören kommt auch noch mehr Gutes fürs Leben. Zum Beispiel, wenn man der Mutter zuhört, wenn Sie einem von klein auf die einfachsten und grundlegendsten Dinge des Lebens nahebringt bis hin zu den mahnenden und restriktiven Appellen, die meist nicht so gern gehört werden wollen. Beides gehört zusammen und oft erst im Rückblick erscheint der Inhalt sinnvoll und wegweisend.

 

Haben Sie noch eine Mutter? Ich würde es Ihnen wünschen, und gleichzeitig auch nahelegen, immer noch auf ihre Ratschläge und Erfahrungen zu bauen. Selber schon in der Mitte des Lebens angekommen hilft mir das auch hin und wieder. „Wenn du noch eine Mutter hast…“ – vielleicht kennen Sie diesen Satz – „…so danke Gott und sei zufrieden.“ Denkt an eure Mutter, soll das heißen. Vergesst sie nicht. Kümmert euch um sie. Und das Ganze mit leicht erhobener Stimme. Aber Mutterliebe kann man nicht erzwingen wollen. Gut, dass es wenigstens einmal im Jahr den Muttertag gibt. Der macht uns darauf aufmerksam, wie wertvoll und wichtig unsere Mütter für uns waren und sind. Übrigens an jedem Tag des Jahres. Mutterliebe braucht etwas anderes als den Kalender, sie soll von Herzen kommen, ja richtiggehend verspürt werden. Dazu braucht es manchmal auch Erinnerungen und Einsichten: wie war das, als ich ein Kind war? Wer hat auf mich aufgepasst? Wer hat mich beschützt, getröstet, angespornt? Wer hat mich in den Arm genommen, das Pflaster geholt, das Essen gemacht? Wer hat da auf manches verzichtet zum Wohl des Kindes? Da ist schon Dankbarkeit angebracht.

 

Auch wenn wir von Gottes Zuwendung und Handeln für uns reden und hören, darf die Dankbarkeit ihren vorderen Platz bekommen, wenngleich auch manches zunächst nicht so gern vernommen werden will. Die Gute Nachricht, das Evangelium, gibt unserem Leben Freiheit, stellt uns aber gleichzeitig auch in die Verantwortung. Und die ist heute mehr denn je gefragt, wenn wir uns überlegen, welche Werte und Traditionen, welche Brüche und Neuaufbrüche wichtig sind für das Auskommen miteinander – in den Bezügen innerhalb der Familie und darüber hinaus zwischen Menschen ganz unterschiedlichen Herkommens. Wenn auch da aus dem Hören aufeinander ein Miteinander erwachsen kann - denken Sie doch mal darüber nach!

 

Pfarrer Ingo G. Walter, Evangelische Kirchengemeinde Nellmersbach

 

 

 

Gedanken zu Christi Himmelfahrt, 10. Mai 2018 (Waiblinger Zeitung)

 

Christi Himmelfahrt
Diese Ausgabe der Sonntagsgedanken erscheinen zum Feiertag „Christi Himmelfahrt“. Anstatt eines Bildes, wie Jesus auf Wolken in den Himmel emporgehoben wird, habe ich Ihnen aber ein Weihnachtsbild mitgebracht. Darauf zu sehen ist das, was auf ein Weihnachtsbild eben drauf gehört: Die heilige Familie: Andächtige Eltern samt dem schlafenden Jesus in der Krippe. Weder Ochs und Esel noch die Hirten fehlen.

 

Doch was ungewöhnlich ist: Josef trägt keinen weiten dunklen Mantel, er trägt einen seidenen Umhang, der einem feinen Bademantel ähnelt, seine schwarzen Haare sind am Hinterkopf zu einem Dutt gebunden und sein spitz zulaufender Bart scheint auf das Kind zu zeigen. Und auch das von hellrosa Blüten umrankte Jesuskind selbst ist anders: Es hat mandelförmige Augen und glattes schwarzes Haar. Kurz: Jesus ist ein Chinese. Was eigentlich auch nicht weiter verwunderlich ist, kommt die Darstellung der weihnachtlichen Szene eben aus China! Und trotzdem: Es irritiert erst einmal, wenn das Jesuskind so aussieht. Wenn der erwachsene Jesus kein Weißer mit langen braunen Haaren ist, wie wir ihn aus unseren Kirchen und Kunstmuseen kennen.

 

Natürlich war der historische Jesus, der im ersten Jahrhundert im östlichen Mittelmeerraum wirkte, kein asiatischer Typ. Doch so ein Bild zeigt uns: Jesus ist eben nicht nur für uns in Europa da. Jesus wird auch in ganz anderen Teilen der Welt verehrt, er ist auch der Christus der Gläubigen Afrikas, Südamerikas und Asiens. Der aussieht wie sie selbst. Mit dem sie sich identifizieren können.

 

Und das hat viel mit Himmelfahrt zu tun! Denn wenn Jesus in den Himmel auffährt, wie es in der Bibel erzählt wird, dann bedeutet das nicht nur Abschied von der Erde, Abschied von seinen Vertrauten. Sondern es bedeutet auch, dass Jesus ab sofort an einem Ort ist, wo er für alle gleich weit weg ist und damit allen gleich nah. Jesus trennt sich vom engen Kreis der Jünger, um an der Seite Gottes allen Menschen nahe zu sein.

 

Dass eine Beziehung zu Jesus möglich ist, dazu muss man nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen sein. Auch nach der Zeit, in der er auf der Erde gewirkt hat, ist Jesus für uns da: Wir dürfen uns an ihn wenden und uns von ihm begleitet wissen. Er ist bei allen Menschen dieser Welt. Besonders bei denen, die unter Demütigungen leiden, bei denen, die im Stich gelassen wurden und einsam sind.

 

Jesus hat das, hat sogar den Tod selbst erlebt: Er wurde gekreuzigt. Aber er ist auferstanden von den Toten. Aufgefahren in den Himmel. In diese Bewegung nimmt er auch uns mit hinein. Wer das glaubt, ob in China oder in Deutschland, dem steht heute schon der Himmel offen. 

 

 

Vikarin Susanne Kreuser, Evangelische Kirchengemeinde Waiblingen




Gedanken zu Christi Himmelfahrt, 10. Mai 2018 (Winnender Zeitung)

„Vatertag“
Der kirchliche Feiertag Christi Himmelfahrt ist nicht so bekannt wie Weihnachten oder Ostern. Die Bezeichnung „Vatertag“ ist vielen geläufiger. Am Vatertag zieht es die Menschen bei schönem Wetter raus in die Natur. Viele unternehmen eine Wanderung und steuern eine Hocketse an, wo es etwas zu trinken, und zu essen gibt.

 

„Vatertag“ ist gar nicht so schlecht als Bezeichnung für Christi Himmelfahrt: Der Vater im Himmel setzt seinen Sohn Jesus Christus ein zu seiner Rechten. Jesus bekommt bei seinem himmlischen Vater einen Ehrenplatz, einen Thron, einen Regierungsauftrag. In die Hände Jesu wird die Macht gelegt über alle Reiche, Mächte, Herrschaften und Gewalten dieser Erde. Vom „Vatertag“ her gesehen ist deshalb der Maßstab für eine gute Ausübung von Regierungsverantwortung das Dienen. An der Spitze aller Macht steht Jesus, der den Menschen dient wie kein anderer. Ausübung von Macht, Regieren bedeutet deshalb Dienst für die Menschen. Für deren Frieden, Freiheit und Wohlergehen haben die Staatsdiener in ihren Ämtern zu sorgen. Sie sind verantwortlich vor dem Volk, das sie gewählt hat. Auch vor Jesus Christus müssen sie Rechenschaft ablegen, wie sie ihr Amt ausüben. Gott hat ihn in dieses höchste Amt über alle andere Ämter eingesetzt.

 

Präsidenten in Ankara und anderswo, die mit den Steuergeldern ihrer Bürger protzige Paläste bauen, schneiden bei dieser himmlischen Beurteilung schlecht ab. Präsidenten in Moskau und anderswo, die politische Gegner und kritische Journalisten einsperren, sehen die Rote Karte. Ein Präsident, dem das Geld der Waffenlobby wichtiger ist als das Leben von Schülerinnen und Schülern, wird von allerhöchster Stelle gefeuert werden.

 

Jesus ist von Gott alle Macht gegeben. Vor ihm haben alle Mächtigen Rechenschaft abzulegen, wie sie ihre Macht ausüben - diese Botschaft steckt drin in dem Lied, das für mich im Gottesdienst an Christi Himmelfahrt wichtig ist:

 

„Jesus Christus herrscht als König /
alles wird ihm untertänig /
alles legt ihm Gott zu Fuß./
Alle Zunge soll bekennen, /
Jesus sei der Herr zu nennen,/
dem man Ehre geben muss.“
(EG 123,1).

 

Wolfgang Peter, Evangelischer Kirchengemeinde Oppelsbohm.  

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 06. Mai 2018

Im Namen der Religion
Liebe Leserinnen und Leser,

im theologischen Seminar erzählte der Dozent uns jungen Studierenden folgende Anekdote. „Einmal hatten wir zu einem Studienabend einen Professor für Neues Testament in unsere Gemeinde eingeladen. Mir kam die Aufgabe zu, den Herrn nach seinem Vortrag mit dem Auto nach Hause zu fahren. Auf der Fahrt sprach er kein Wort. Still saß er auf dem Beifahrersitz. Dann nach langer Zeit des Schweigens durchbrach er die Stille mit dem Satz: „Jesus war Jude, das dürfen wir nicht vergessen.“

 

Dieser Satz um dessen Zusammenhang ich nicht mehr recht weiß, dieser Satz: „Jesus war Jude“, hatte sich tief bei mir eingeprägt. Er hat mein Studium der evangelischen Theologie begleitet. Ich wollte Jesus als den verstehen lernen als der er gewesen war. Ein gläubiger Jude unter seinen jüdischen Zeitgenossen. Dazu begab ich mich auf den Weg, das Judentum in der Zeit Jesu und in seiner folgenden Geschichte mehr und mehr verstehen zu lernen, um so die Wurzeln meines Glaubens besser begreifen zu können. Jesus Christus verstehen zu lernen bedeutete für mich, die Wurzeln seines Glaubens, das Judentum besser kennenzulernen.

 

Später, im fortgeschrittenen Stadium meines Studiums, besuchte ich ein Seminar bei dem katholischen Professor Hans Küng in Tübingen. Er zeigte uns den Horizont auf, der über die einzelnen Religionen hinausragt. Küng stellte uns die Figur des Abraham aus dem Alten Testament als gewissermaßen Religionsstifter von Juden, Christen und Muslimen vor. In der Person des Abraham hätten alle drei Religionen die Wurzel ihres Anfangs.

 

Die zuvor mich bewegende Frage nach der besonderen und alleinigen Wahrheit in der eigenen Religion verwandelte sich mehr und mehr zu der Frage nach dem Verhältnis, in dem die drei großen Weltreligionen zueinander stehen. Was haben wir gemeinsam und was können wir voneinander lernen?

 

So ist meine Erfahrung entstanden. Wenn gläubige Menschen beginnen, nach den Wurzeln ihres eigenen Glaubens zu fragen, werden sie anfangen, sich selbst besser verstehen zu lernen. Gleichzeitig wird ihr Verständnis für die Andersgläubigen wachsen, weil sie Gemeinsames entdecken werden. Künftig werden sie sich im Namen der Religion nicht bekämpfen können. Denn wer Religion meint, wenn er Religion sagt, stellt sich selbst ins Verhältnis zu denen, die anders glauben.

 

Wer aber Religion sagt und meint in Wahrheit etwas anderes, der schlägt im Namen der Religion anders Gläubige, verordnet das Aufhängen von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden oder beruft sich auf das so genannte christliche Abendland, um Fremdes zu verunglimpfen.

 

Pfarrer Andreas Gruhn, Evangelischer Klinikseelsorger am Klinikum Schloß Winnenden

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 29. April 2018 (Waiblinger Zeitung)

Resonanz
Resonanz ist das Mitschwingen eines Körpers mit einem anderen Körper. Im Körper einer Gitarre z. B. entstehen Resonanzen. Deshalb spricht man hier auch von einem Resonanzkörper. Resonanz meint im übertragenen Sinn in Beziehung treten: Etwas berührt mich. Ich antworte darauf, erreiche also die andere Seite. Dieses Beziehungsgeschehen ist Ausdruck von Lebendigkeit. Ich kann mit einem Freund, aber auch mit einem biblischen Text, einem Musikstück oder der Natur in eine Resonanzbeziehung treten. Dies allerdings nur als Hörende, Wartende, Erwartende. Dieses mir antwortende Andere ist mir unverfügbar. Ich kann dabei nichts erzwingen oder machen. Resonanzbeziehungen haben immer ein Moment des Geschenktwerdens oder theologisch ausgedrückt der Gnade. Die Natur ist mir geschenkt. Gott antwortet mir als der unverfügbar ganz Andere.

 

Die Grundbeziehung zur Welt als Resonanzgeschehen hat mit Achtsamkeit gegenüber der Mitschöpfung zu tun. Aber haben wir überhaupt noch einen anderen Weltbezug als den der Zweckoptimierung? In beinahe allen Bereichen unseres Lebens geht es heute um Wachstumssteigerung und Beschleunigung - um welchen Preis? Um den Preis, das menschliche Weiterleben auf dieser Erde zu verlieren? Wir produzieren mehr, wir konsumieren mehr, wir haben mehr Kontakte - aber weiterhin nur 365 Tage im Jahr. Also müssen wir die Mehrproduktion, den Mehrkonsum, die Mehrkontakte in die gleiche Zeit hineinpacken. Und wundern uns über Burnout und (Selbst)Ausbeutung. Ist in dieser Verdichtung noch Resonanz möglich? Ja, es gibt diese Erfahrung in einzelnen Oasen unseres Alltags. Sollte es nicht genau andersherum sein? Resonanz als die menschliche Art der Weltbeziehung.

 

Durch alle Psalmen und Bücher der Bibel finden wir das Beten, Rufen und Schreien nach dem ganz Anderen; die Erfahrung, dass mich Gott selbst beim Namen ruft, stellt mich in einen Resonanzraum, in dem ich mich aufgehoben fühle und in der Welt meinen Platz habe. Staunen, Ehrfurcht und Dankbarkeit drücken die Haltung der Resonanz aus. So kann der Gottesdienst am Sonntag zur Erfahrung von Resonanz werden: Sich Segen zusprechen und Worte und Lieder nachklingen lassen. Ich wünsche Ihnen und mir eine gesegnete Sonntagsruhe!

 

Pastoralreferentin Brigitte Scherer, Katholische Seelsorgeeinheit Waiblingen-Korb-Neustadt

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 29. April 2018 (Winnender Zeitung)

Immer noch Osterzeit
Manchmal erinnert man sich an Dinge, Erlebnisse oder Personen, aber es fallen einem partout die Namen nicht ein. Geht es Ihnen auch manchmal so. Nein? – Dann liegt das ja vielleicht am Alter.

 

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall. Da weiß man noch einen Namen, aber man weiß nicht mehr, was dahintersteckte. So geht es mir mit einem Seminar, das am Beginn meines Studiums unser geistlicher Begleiter anbot. Der Titel lautete: „Die Osterzeit sinnvoll gestalten“. Nun weiß ich heute leider überhaupt nicht mehr, was wir da sinnvolles taten und wie ich heute die Osterzeit angehen soll. Ach ja – die Osterzeit endet übrigens nicht am Ostermontag, das wäre leicht – sie bezeichnet die ganzen 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten. – Dass ich nichts mehr darüber weiß, was man in diesen Tagen sinnvolles tun kann ist irgendwie typisch oder kirchentypisch für diese Zeit. An Ostern feiert man. Kann man 50 Tage feiern? Oder hängen einem die Hasen und Eier nicht irgendwann zum Hals raus – und dann?

 

Wir haben hundert kluge Ratschläge, was wir in der Advents- und Fastenzeit tun und lassen sollen, aber dann hört es auf. Was tun wir in der Osterzeit? Draußen tobt der Frühling und bei Kirchens scheint bis Pfingsten Pause zu sein.

 

Dabei gäbe es doch was zu tun. Pfingsten ist immerhin das Fest des Heiligen Geistes. Da wurde aus ein paar verschlafenen Jesusleuten eine begeisterte Schar, die andere mitreisen konnten, wie es heute nur noch Popstars vermögen. Wenn wir also Pfingsten feiern, dann sollten wir uns bis dahin heiliggeistmäßig etwas warmmachen. Vorglühen sozusagen, damit es an Pfingsten so richtig brummt. Die Außentemperatur macht ja auch soweit mit.

 

Stellt sich nur die Frage: Was begeistert mich, oder was steht dem im Wege, dass ich mich mal wieder von was so richtig begeistern lasse. Wo ist meine Landebahn für den Heiligen Geist. Na – das wäre doch auch eine Aufgabe für die 50 bis Pfingsten: Landebahn bauen, Dreck wegräumen. Die hundert „man kann doch nicht“ oder „vielleicht mal später irgendwann“ überspringen und stattdessen Träume wahrwerden lassen und andere begeistern.

 

Bis Pfingsten ist noch eine Weile hin, aber üben können wir ja schon mal – und vielleicht war das ja auch das, was sich damals unter der Überschrift von der Osterzeit verbarg.

 

Pastoralreferent Gundolf Zahn, katholische Kirche Winnenden

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 22. April 2018 (Waiblinger Zeitung)

Liebe Leserinnen und Leser,
die Natur ist erblüht. Die schönste Zeit des Jahres lacht uns entgegen. Es ist eine Wonne, das Blütenmeer der Bäume zu schauen und sich in ihrem Blühen wiederzufinden. Der Flieder ist erwacht aus Liebe zur Sonne, warum dann nicht der Mensch aus Liebe zu Gott?

 

Es ist Zeit sich zu freuen an atmenden Farben. Es ist eine heitere Zeit, doch nicht jedem ist heiter zumute. Es ist eine fröhliche Zeit, doch nicht jeder kann fröhlich sein. Leid, Krankheit, Schmerz und Not sind auch im Frühling mit gegenwärtig. Die Seele hat ihren eigenen Kalender. Sie richtet sich nicht aus nach Sonne und Mond. Doch manchmal fällt ein Hauch von des Frühlings linden Düften auch und gerade in den, der nur noch weinen und heulen möchte. Manchmal fällt der Auferstehungsmorgen mitten in die dunkle Nacht der Sinne. Manchmal - und ein Herz stimmt wieder ein in Hermann Hesses Zeilen: „Voll Blüten steht der Pfirsichbaum, nicht jede wird zur Frucht. Sie schimmern hell wie Rosenschaum durch Blau und Wolkenflucht. Wie Blüten gehen Gedanken auf, hundert an jedem Tag – lass blühen – lass dem Ding den Lauf! Frag nicht nach dem Ertrag! Es muss auch Spiel und Unschuld sein und Blütenüberfluss, sonst wär die Welt uns viel zu klein und Leben keine Genuss“.

 

Es ist dieser leichte, heitere Ton, der sich in diesen Tagen auf die Seele legen kann, damit er nur lang und weit und tief in uns halle. Es ist dieser tief aus der Natur uns entgegenkommende Gruß, mit Tulpen und Narzissen, mit Kirsche, Apfel, Kastanie und Pfirschbaum um die Wette zu blühen in einer Freude, die Himmel und Erde durchströmt. Der Psalm 66, dieser Lobgesang aus dem Alten Testament für den morgigen Sonntag Jubilate bestimmt, ist davon erfüllt: „Jauchzt Gott alle Lande. Lobsingt zur Ehre seines Namens. Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke. Kommt und seht die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern“.

 

 Ein Jubel ergeht hier, der den gesamten Kosmos vereint, nur dass es dem Menschen ins Herz gelegt ist, dies ausdrücklich zu benennen, dem Wort und Klang zu geben, was Schöpfung täglich neu bedeutet. Die kleinsten Bausteine der Materie, Proton und Elektron, von den Quarks ganz zu schweigen, wie die fernsten Galaxien mit Millionen von Sternen klingen hier zusammen. Das Blühen der Pflanzen und die Lust der Tiere reden von Gott und mitten darin steht der Mensch. Er ist dazu bestimmt, all dies zu sehen, darüber zu staunen, dem Jubel Raum zu geben, um dann dankbar mitzubauen am Garten Eden oder dem, was davon noch übrig blieb.

 

 

Pfarrer Dr. Dieter Koch, Evangelische Kirchengemeinde Korb