Gedanken zu Fronleichnam

Leichnam ... was?

Sprache ist Macht. Sprache kann so ziemlich alles: unterhalten, überzeugen, überreden, umschmeicheln, gewinnen, erklären oder aber auch ausgrenzen.

Waren sie schon mal auf einer Party eingeladen (ich meine natürlich vor Corona), auf der alle einander kannten – nur Sie kannten niemand? Und kennen Sie das Gefühl, wenn sich alle über Andeutungen verständigen: Weißt du noch – damals, in 1987 …   ja klar, und der Sowieso… . Ein Begriff, ein Name reicht und alle lächeln sich vielsagend zu – nur Sie lächeln nicht. Sie würden es ja auch gerne lustig finden, aber sie verstehen die Andeutungen nicht, verfügen nicht über das kulturelle Sondergut dieser Gruppe und sind außen vor. Das gibt es in Freundeskreisen, aber auch in Berufsgruppen (Arztlatein) oder in sozialen Schichten (Flexlatein). Und das gibt es auch – und nicht zu knapp – in der Kirche.

Ein Beispiel aus dem aktuellen Messbuch 2021 zu Fronleichnam:
Tagesgebet: Herr Jesus Christus, im wunderbaren Sakrament des Altars hast du uns das Gedächtnis deines Leidens und deiner Auferstehung hinterlassen. Gib uns die Gnade, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes zu verehren, dass uns die Frucht der Erlösung zuteil wird …“
Die heiligen Geheimnisse. Ja das sind sie und ein bisschen fühle ich mich wie auf der Party, auf der ich niemand kenne. Alle lächeln und verstehen, aber ich nicht. Wie muss es jemand gehen, der zum ersten Mal eine katholische Messe besucht und das hört?

Offensichtlich gibt es eine Gruppe Eingeweihter, die das versteht und durch Binnensprache andere, Fremde, draußen halten will. In Corona durfte Kirche ja nicht viel. Gottesdienst durfte sie. Das wäre doch mal eine Chance gewesen und ist es noch, alles auf den Prüfstand zu stellen und eine Einschließende, keine Ausschließende Sprache zu üben. Natürlich geht das nicht von heut auf morgen. Das ist wie reden lernen. Und davor muss man ja bekanntlich viel zuhören. Aber wenn wir als Kirche Menschen erreichen wollen ist das notwendig.

Und dazu noch eine Übung und ein Tip.
Die Übung: Versuchen Sie mal das Tagesgebet von oben in eigene Worte zu fassen. Sie dürfen gerne ein Wörterbuch zu Hilfe nehmen. Am Ende werden Sie überrascht sein. Da steht, dass wir durch Jesus alle dazu gehören und keine Angst haben müssen, weil durch Gott alles gut wird.
Der Tip: Wenn Sie was nicht verstehen, fragen Sie nach. Nur weil alle lächeln heißt das nicht, dass sie der einzige Außenstehende sind. Und manches bleibt dann am Ende doch … Geheimnis.


Gundolf Zahn, Pastoralreferent in Winnenden-Schwaikheim-Leutenbach