Sonntagsgedanken zum 10. Januar 2021

Oh!

Ich mag diesen Laut.

Ich denke dabei nicht an das vergangene „Oh du fröhliche“ zur Weihnachtszeit, das ich vor zwei Wochen gern gesungen oder vor mich hin gesummt habe. Von dem „oh je“, das mir entfährt, wenn gerade mal wieder irgendwas schief ging, ganz zu schweigen. Auch das drohende „ohoh“, wenn Vorsicht geboten ist, ist kein schöner Ton in meinen Ohren. Man hört bereits an der Höhe des Klangs, dass man knapp an einer kleinen bis mittleren Katastrophe vorbeigeschlittert ist. Es wird klar, hier läuft gerade etwas nicht wie erwartet.

Ich meine dieses „Oh!“, das ganz spontan und gedankenverloren aus mir herauskommt, wenn mich etwas überrascht. Dann läuft auch etwas nicht wie erwartet, aber eben etwas Schönes. Dieses „Oh!“ klingt auch viel heller und freundlicher als das tiefe und besorgte „oh je“ oder „ohoh!“. Dieses „Oh!“ aus meinem Mund geht meist über in ein Lächeln auf meinem Gesicht: freundlich, verschmitzt-grinsend, einfach angenehm.

Ich mag diese kleinen und großen Oh-Momente: Ich erfahre eine schöne Neuigkeit. Es verändert sich etwas zum Positiven. Mein verplanter Alltag wird durch eine zufällige Begegnung oder überraschende Nachricht unterbrochen. Ich erreiche etwas, von dem ich dachte, ich würde es nicht schaffen. Ich schau mich um und entdecke etwas Farbenfrohes im tristen Grau. Ich höre ein neues Lied, das mir gefällt und meine schlechte Laune schlagartig weniger werden lässt. Ich staune.

Die christliche Spiritualität hat dafür ein besonderes Wort: Wunder. Es sind für mich die großen und kleinen Wunder des Alltags. Es sind für mich kleine Gottesgeschenke.

Zählen sie doch heute mal ihre guten Oh-Momente.

Ihnen einen überraschenden, schönen und gesegneten S-Oh!-.nntag!

Gemeindereferentin Julia Hämmerle, katholische Seelsorgeeinheit Waiblingen – Korb – Neustadt-Hohenacker
 

P.S. in eigener Sache: Zum 1. Januar habe ich die Seelsorgeeinheit verlassen und ganz ins Bischöfliche Jugendamt gewechselt. Ich erinnere mich zum Abschied an die vielen großen und kleinen, wunderbaren Oh-Momente, die ich in den vergangenen 10 Jahren in meiner Arbeit als Gemeindereferentin erleben durfte und für die ich unendlich dankbar bin.