Sonntagsgedanken zum 17. Januar 2021

Vom Machen ins Vertrauen!

Die kleine Sophie ging neben ihrer Mutter her. Sie waren auf der großen Einkaufsstraße unterwegs, und es dämmerte bereits. Das war noch vor Corona, als Menschenmassen fröhlich und unbeschwert die Einkaufsmeilen bevölkerten. Für die Fünfjährige war das aber nicht das reine Vergnügen! Denn sie sah hauptsächlich nur Füße und Beine, und es war laut um sie herum. Manchmal schubsten sie die Vorbeieilenden so, dass sie Angst hatte, ihre Mutter im Gewusel zu verlieren. Als es mal wieder sehr heftig zuging, streckte die Kleine schnell ihre Hand nach ihrer Mutter aus, und hielt sie ganz fest. Und ihre Mutter drückte ihre kleine Hand, wie ein stilles Übereinkommen: Ich bin da, dir passiert nichts; wir kommen schon an unser Ziel.

 Auch als gestandene Frau geht es mir manchmal wie der fünfjährigen Sophie, dass alles um mich herum eng und bedrohlich wird, dass ich um mich herum nur noch die Probleme und die Anforderungen sehe und Angst habe, mich zu verlieren.

Wie gut, wenn es da in meinem Umfeld jemanden gibt, dem ich meine Hand entgegenstrecken kann, der mir Halt und Sicherheit gibt. Der mich wieder in ein Gesicht schauen lässt anstatt nur auf Probleme. Der mir auch wieder Vertrauen schenkt in meine eigene Stärke und Kraft, die zuweilen einfach auch verloren gehen.

 Vor uns liegt ein neues Jahr, und es hat nicht weniger beunruhigend angefangen, als das letzte aufgehört hat. Ob Corona oder Weltpolitik, ob Krankheit und Abschiedsschmerz im Privaten. Vieles haben wir aus dem alten Jahr mitnehmen müssen, und was das neue Jahr bringen wird, weiß keiner.

 Wir sind es gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, und das ist in den meisten Fällen auch gut so! Aber es gibt Dinge im Leben und auf der Welt, die kann man nicht planen und nicht machen. Das hat schon vor Corona gegolten und wurde uns nur jetzt noch deutlicher vor Augen geführt. Deshalb ist es notwendig, sich nicht nur im „Machen“, sondern auch im „Vertrauen“ zu üben, um vom Machen ins Vertrauen zu kommen und vom Vertrauen wieder ins Tun!

 Seit vielen Jahren begleitet mich zum Jahreswechsel ein Text, der im evangelischen Gesangbuch steht. Doch noch nie hat er mir so viel bedeutet wie bei diesem Jahreswechsel.

"Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: 
Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegengehen kann!
 Aber er antwortete: Gehe nur hin in die Dunkelheit und lege deine Hand in die Hand Gottes!
Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg.“      
Aus China; EG, Seite 155

Vielleicht gewinnt dieser Text auch für Sie Bedeutung und hilft Ihnen, zuversichtlich und mit ruhigerem Herzen dem neuen Jahr entgegen zu gehen. Vertrauend darauf, dass Gott nur eine Armlänge von Ihnen entfernt an Ihrer Seite geht, und Sie jederzeit Ihre Hand nach ihm ausstrecken können. Ausprobieren! - dafür ist ein ganzes Jahr lang Zeit!

Pfarrerin Cornelia Pfefferle, Evangelische Kirchengemeinde Schwaikheim