Sonntagsgedanken zum 2. Mai 2021

Nach diesem Corona-Winter genieße ich den Frühling noch mehr als sonst. Die Tage werden immer länger und ich freue mich an der Sonne, wenn sie morgens über den Horizont gerollt kommt und ihre ersten Strahlen die Welt berühren. Der Himmel fasziniert mich auch in einer klaren Nacht, wenn ich die geheimnisvolle Schönheit von Mond und Sternen bestaune. Sonne, Mond und Sterne – sie beeindrucken uns, weil sie so unvorstellbar groß und weit weg sind, und doch ohne sie das Leben auf unserer Erde nicht denkbar wäre. 

Schon vor langer Zeit hat ein Mensch in einem Gebet sein ehrfürchtiges Staunen angesichts des Weltalls ausgedrückt:

„Wenn ich den Himmel sehe, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast - was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ (Psalm 8, Verse 4 und 5)

Wenn ich den Himmel sehe, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast, ... hier bricht der begonnene Satz ab. Der Hauptsatz besteht sozusagen aus staunendem Schweigen. Und dann schließt sich die Frage an, welche Bedeutung wir kleine Menschen haben angesichts des Himmels. Der Blick in den Sternenhimmel kann uns ein Gefühl für die wahren Größenverhältnisse lehren. So wunderbar und groß sind der Himmel und seine Gestirne. Und das alles ist Werk des Schöpfers, von ihm bereitet, geleitet von seiner unsichtbaren Hand. 

Aber hat der Psalmbeter nicht eine sehr naive Sicht der Dinge? Wir wissen doch heute, dass die Sonne Mittelpunkt eines Sonnensystems ist, in dem die Erde nur einen kleinen Punkt darstellt. Und auch unser Sonnensystem wiederum ist nur ein unbedeutender Teil des Universums mit seiner unvorstellbaren Größe. Können wir mit unserem Wissen trotzdem in dieses alte Gebet mit einstimmen? Ich denke schon! Erscheint nicht sogar das Schöpfungswunder mit unserem Wissen noch viel größer, als der Psalmbeter es ahnen und ausdrücken konnte? Ist es nicht faszinierend wie weise die Schöpfung auch in diesen Dimensionen geordnet ist?

Obwohl unsere Erde so klein und unbedeutend erscheint im riesigen Universum: ausgerechnet diesen kleinen blauen Planeten hat der Schöpfer – als einzigen? - erwählt, um Leben entstehen zu lassen. Und uns kleine Menschlein hat er sich zu seinem Gegenüber erschaffen. Nicht nur das Ergehen der Menschheit als Ganzem ist ihm wichtig, sondern jedes einzelne Menschenleben: Er gedenkt seiner und nimmt sich seiner an – bis dahin, dass er sogar selbst Mensch wurde und das Leben auf diesem Planeten mit uns geteilt hat.

So muss ich mir im unermesslichen Weltall nicht verloren und bedeutungslos vorkommen; ich kann mich voller Vertrauen direkt an den wenden, der das alles gemacht hat – und doch meiner gedenkt und sich meiner annimmt. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Frühling mit viel Sonnenschein und schönen Sternennächten und ein gutes Gefühl für die wahren Größenverhältnisse im Leben.   


Pfarrerin Barbara Reiner-Friedrich, Evangelische Kirchengemeinde Korb