Sonntagsgedanken zum 21. Februar 2021

Fastenzeit - jetzt auch das noch!

 Liebe Leser*innen,
morgen ist der erste Sonntag der Fastenzeit. Diese geht von Aschermittwoch bis Karsamstag, einem Tag vor Ostern. Fasten! Das fehlte noch, möchte vielleicht manche*r sagen oder denkt sich dies still beim Lesen. 

Fasten ist immer mit Verzichten von etwas verbunden. Etwas nehmen wir nicht zu uns oder wir lassen von etwas ab, das wir gewöhnlich zu tun pflegen. Dabei verzichten wir seit Monaten auf Vieles, das wir jetzt umso mehr vermissen. Und wer im ÖPNV meint, auf die Maske verzichten zu können, darf nicht mitfahren. Warum könnte es Sinn machen in einer Zeit, reich an Verzicht, dennoch zu fasten? 

Im Zentrum für Psychiatrie in Winnenden hat sich eine Gruppe von Mitarbeiter*innen zum Fasten zusammengefunden. Für drei Wochen fasten sie und ernähren sich von alten Brötchen, Suppe und in der dritten Woche kommt Gemüse hinzu. Sie machen eine Basenkur! Sie fasten aus freien Stücken. Wer freiwillig verzichtet, weiß um einen erhofften Gewinn. Der kann in der Förderung der Gesundheit bestehen, im Verlust von ein paar wenigen Kilos auf der Waage oder in einer spannenden Selbsterfahrung.

Wer fastet, unterbricht den gewohnten Lauf der Dinge. Wer fastet, merkt: Hallo, es geht auch anders. Wer fastet, merkt: Ich kann etwas tun, weil ich dies will und weil es für mich einen Sinn hat. Wer fastet, kann seine immer schon vorhandene aber manchmal verschütt gegangene Freiheit verspüren und neu leben. Sogar das verborgene Schöne eines Menschen tritt zutage. Sagt doch Jesus im Matthäusevangelium: „Wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht." Auf dass die Fastenden freudig strahlen.

Eine gesegnete Fastenzeit wünsche ich Ihnen! 

Pfarrer Andreas Gruhn, Evangelische Psychiatrieseelsorger am Klinikum Schloß Winnenden