Sonntagsgedanken zum Erntedankfest

Dankbarkeit

Manche meinen, Dankbarkeit sei ein Zeichen der Schwäche. So als ob Danke zu sagen mich kleiner macht. Heute ziehen Wutbürger aller Couleur durchs Land. Unsere Gesellschaft zeichnet sich durch eine ausgeprägte Motz- und Meckerkultur aus, die Schuldzuweisung ist zur Leistungssportart geworden. Da wäre ein schlichtes und echtes Danke in vielen Zusammenhängen zunächst mal eine Riesenüberraschung. Vor allem aber würde es eine oft lange nicht gekannte wohltuende Atmosphäre schaffen.

Dabei ist nicht die einmalige Bedankung etwa an die Pflegekräfte in Corona-Zeiten zu denken oder an das Elternpräsent an die Klassenlehrerin nach jahrelanger Dauerkritik oder an ähnliche Pflichtübungen.

Dankbarkeit als Lebenshaltung, das schafft Glück. Klar – wechselhaft und schwankend bleibt unser Lebensglück. Die Dankbarkeit aber verhindert, dass wir uns in unseren und der anderen Unzulänglichkeiten verheddern und verstricken. Wir müssen nicht stehenbleiben und mit stierem Blick auf unsere Mangelhaftigkeit und all die Fehler und Katastrophen in dieser Welt schauen.

Ans Danken erinnert uns das Erntedankfest. Was für ein schöner Anlass! Als Christen kennen wir die Adresse für unseren Dank. Den Schöpfer, der seine Schöpfung liebt und begleitet bis ans Ende der Zeit. Dieser Dank ändert etwas in meinem Leben.
Denn:
„Nicht die Glücklichen sind dankbar.
Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“
(Francis Bacon)


Pfarrer Tobias Küenzlen, Evangelischer Kirchenbezirk Waiblingen