Gedanken zu Fronleichnam

Fronleichnam darf nicht ausfallen!

In der Registratur des Pfarrhauses in der Fuggerstraße habe ich vor längerer Zeit ein Foto entdeckt, über das ich mir schon viele Gedanken gemacht habe. Es ist von einem Gemeindemitglied aufgenommen am 27. Mai 1945 bei der ersten Fronleichnamsprozession. Das Bild zeigt an der Kreuzung Fronackerstraße / Ludwigsburger Straße eine große Zahl von Mitfeiernden, Erstkommunikanten in festlichen Kleidern und Ministranten mit ihren Fahnen. Sie sind versammelt um einen prächtig geschmückten Altar, darauf die Monstranz mit dem eucharistischen Brot. An der Wand der damaligen Ortskrankenkasse hängt eine Tafel mit der Aufschrift: MILITARY-GOVERNMENT U.S. ARMY – Militär-Regierung.

Ich frage mich: Wer ist uns näher: die damals das Sagen hatten oder der, der im Brot der Monstranz verehrt wird?

Wenn wir dieses Jahr Fronleichnam feiern, heißt unsere Antwort nicht anders als vor 75 Jahren. 

Das Bild vom Freitagabend, 27. März 2020 ging um die Welt: der riesige Petersplatz in Rom, völlig menschenleer und ganz allein Papst Franziskus betend vor der Monstranz mit dem geweihten Brot. Ein Bild, das Fronleichnam vorweggenommen hat: Jesus ist da, er begleitet uns gerade jetzt!

Das ist die Botschaft von Fronleichnam. Gerade in einer Zeit, in der die Menschen verunsichert und ängstlich sind, in der wir nicht wissen, was morgen und übermorgen sein wird, gibt diese Botschaft Halt und Orientierung. Egal, mit wie vielen Menschen Fronleichnam gefeiert wird: Der Inhalt ist und bleibt derselbe. Jesus teilt das Menschenleben, er steht uns Menschen zur Seite, in guten und ganz besonders in den schweren Tagen. Jesus kommt in der Gestalt des Brotes hinein in unseren Alltag, er kommt dorthin, wo Menschen mit sich selbst und mit ihrem Schicksal ringen. Er ist dort, wo Menschen nicht mehr weiterwissen, wo sie Tränen vergießen und verzweifelt nach neuer Hoffnung suchen. Er gibt sich uns in die Hand und spricht: Ich bin das Brot des Lebens auf Eurem Weg. Ich komme Euch ganz nahe – ohne jeden Abstand.

Lothar Zenetti bringt es so auf den Punkt: 

Was Jesus für uns tat
bis in den Tod,
das kann nicht sterben,
das liegt auf der Hand.

Das wiegt leicht wie Brot,
das wiegt schwer wie der Tod,
das ist Brot zum Leben,
das liegt auf der Hand.

Das ist sein Leib,
verschenkt, verteilt,
einer für alle,
das liegt auf der Hand.

Was Jesus für uns tat
bis in den Tod,
das kann nicht sterben,
das liegt auf der Hand.


Eines der Kernwörter während der vergangenen Wochen hieß: Abgesagt!
Fronleichnam darf nicht ausfallen!


Pfarrer Franz Klappenecker, Katholische Kirchengemeinde St. Antonius, Waiblingen