Gedanken zu Silvester

Nicht ohne Segen

Bis 1752 hatte England entgegen der Mehrheit in Europa einen eigenen Neujahrstag. Den 25. März. Bis 1600 hatte den auch Schottland. Das passte sich aber ein bisschen eher dem Rest Europas an.

Dass wir am 31. Dezember das alte Jahr beenden und am 1. Januar des neue beginnen, ist recht willkürlich. Wie vieles geht das auf die Römer zurück. Die hatten zwar ihr Jahr ursprünglich am 1. März begonnen, aber Julius Cäsar machte eine Kalenderreform und ließ es am 1. Januar starten. Weil da schon länger der römische Staat sein Verwaltungsjahr begonnen hatte. Nebenbei, nach dieser Reform stimmten die Monate September bis Dezember nicht mehr, also lateinisch für siebter (septem) bis zehtner (decem) Monat. Aber Tradition ist Tradition. Bis heute.

Tradition und staatliche Setzung ist auch unser Jahreswechsel. Kirchlich ist er nicht, wiewohl der 31. Dezember nach Silvester benannt ist. Der war Bischof zu Rom in der Zeit Kaiser Konstantins und starb am 31. Dezember 335. Die Kirche beginnt ihr Jahr jedoch am 1. Advent oder am 25. Dezember oder am 14. September. Je nach Tradition.

Obwohl nicht kirchlich, werden dennoch die Kirchengemeinden im Rems-Murr-Kreis sowohl Silvester als auch Neujahr mit Gottesdiensten und Andachten begehen. Warum eigentlich? Der Termin hat nun wirklich nichts mit der Kirche zu tun, sondern eben vor allem mit Julius Cäsar.

Ganze einfach. Christen sind schließlich Bürgerinnen und Bürger dieses Landes. Sie leben den Zeitrhythmus ihres Landes mit, von Schulferien über Steuererklärungstermine bis hin zum verwaltungstechnischen Jahresbeginn des offiziellen Kalenders.

Und gerade so wichtige Einschnitte wie Neujahr begleitet die Kirche mit dem, was sie besonders gut kann: mit Beten und Segnen. Ja, Christen wollen für das Land beten, in dem sie wohnen. Dass es ihm gut geht und es ein friedliches Jahr wird. Ja, Christen wollen ein Segen sein für ihre Wohnorte, und auch ein neues Jahr soll durch sie gesegnet sein. Damit Gott dabei ist in allem, was kommen wird. Mit seiner Kraft, seiner Barmherzigkeit, seinem Frieden.

Die Engländer hatten sich übrigens etwas durchaus Sinnvolles gedacht mit ihrem eigenen Neujahr bis 1752. Sie wollten das Jahr geistlich beginnen, denn der 25. März war schon immer ein christlicher Feiertag. An ihm, neun Monate vor Weihnachten, wurde und wird an Maria erinnert, die vom Engel gesagt bekommt, dass sie schwanger ist. Gibt es einen schöneren Neujahrstag, als den Zeitpunkt der Empfängnis? Als den Beginn der Schwangerschaft mit dem Jesuskind? Vom Anfang eines jeden Jahres an soll Jesus Christus dabei sein. Mit seinem ganzen Segen. Bis zum Ende.

Es ist eine gute Idee, ein neues weltliches Jahr geistlich zu beginnen. Gottes Segen für 2020!

Pfarrer Hans Peter Weiß-Trautwein, Evangelische Kirchengemeinde Hertmannsweiler-Bürg