Martin Luther King Musical auch in unserem Kirchenbezirk

Bundesweit arbeiteten unzählige Chöre gemeinsam am Martin Luther King Musical, das in diesem Jahr in diversen Städten aufgeführt wird. Im Kirchenbezirk Waiblingen stellte Andreas Spahn einen Projektchor auf die Beine und begleitete ihn durch die Proben. Lesen Sie hier unser Interview mit Herrn Spahn.

Andreas Spahn, Leiter des Projektchors

1. Wie entstand die Idee, sich als Projektchor bei einem Musical über Martin Luther King zu beteiligen?

Mein erste Projekt dieser Art war das Luther Pop-Oratorium vor zwei Jahren. Es gab mehrere Ebenen, die mich begeisterten: Der Chor war wesentlicher Bestandteil, die Geschichte hat mir neue Zusammenhänge über Luther und die Zeit erklärt, das Musical war für die ganze Familie und die Musik sowie die Aufführungen gingen direkt ins Herz . So wie bei diesem Stück habe ich Musik noch nie empfunden. An einer Aufführung war ich so berührt vom Geschehen auf der Bühne und der Reaktion des Publikums, dass ich an zwei Stellen nicht mehr singen konnte. Das Luther Pop-Oratorium habe ich dann bei insgesamt sechs Aufführungen in vier Städten mitgesungen: Stuttgart, Brüssel, Berlin und Fellbach.

Danach war klar: beim nächsten großen Projekt der creativen Kirche machen wir wieder mit. Und so haben wir uns gleich zur Premiere in Essen angemeldet und dort mitgesungen. Das war letzten Februar 2019. Dann wurde der Projektchor von mir gegründet. Und nun ist es bald soweit: wir singen in der MHP Arena in Ludwigsburg mit 700 anderen Sängerinnen und Sänger pro Aufführung. Beim Projektchor haben sich über 45 Mitsängerinnen und Mitsänger angemeldet. Regelmäßig haben wir dann mit 25 bis 30 MitsängerInnen geprobt. Leider mit wenigen Männerstimmen. Männer traut Euch zu singen!

2. Haben Sie sich mit den Beteiligten über die Persönlichkeit Martin Luther King unterhalten (z.B. vor oder nach den Proben, während Pausen)? Oder stand ausschließlich das Musikalische im Mittelpunkt?

Klar war Martin Luther King schon vor dem Musical bekannt. Aber durch das Musical habe ich viel Neues über Ihn, seine Geschichte und seinen gewaltlosen Protest gelernt. Neben den Texten, die der Chor und die Solisten singen, hat die Creative Kirche Begleitinformationen in das Chorheft geschrieben. So angeregt habe ich mich mit der Zeit von Martin Luther King mehr beschäftigt und betrachte einige Ereignisse oder auch Filme etwas anders als früher. Sicherlich ist es den anderen Sängerinnen und Sänger auch so gegangen. Singen wir doch auch den Protestsong der Bewegung: We shall overcome.

Bei den Proben geht es auch immer um die Botschaft, die das eine oder andere Lied ausdrückt. So muss der Kontext verstanden werde, was gerade passiert. Freude, wenn  Martin Luther King seinen Heiratsantrag an Coretta stellt, sein Ringen mit Malcom X um die Gewaltlosigkeit  oder auch die Angst in einem vertonten Alptraum. Das haben wir bei den ersten Proben besprochen. Und wann singen die Frauen schon einmal über ihre Lust, Schuhe zu kaufen?

Auch bei den Gesamtproben geht es immer um uns, was wir konkret tun können. So hat sich die creative Kirche für ein Spendenprojekt zum Thema Wasser entschieden und gibt 10 konkrete Hinweise, was wir alle in unserem Alltag verändern und so die Welt ein kleines bisschen besser machen können. 

3. Hat es für Sie und die Sänger/innen eine besondere Bedeutung, bei einem Musical über diese Person mitzuwirken? Stieß das Thema auf großes Interesse in der Gemeinde?

Der Projektchor wurde von zwei Kirchengemeinden unterstützt: Leutenbach und die Gesamtkirchengemeinde Birkmannsweiler, Höfen und Baach. In beiden Gemeinden haben wir je einen Gottesdienst mit dem Leben und der Botschaft von Martin Luther King gestaltet. Gesungen haben wir Stücke aus dem Musical. Beide Gottesdienste waren sehr gut besucht und begeisterten. Auch hier gab es die Brücke in unseren Alltag. Viele aus der Gemeinde kommen auch nach Ludwigsburg.

4. Wie erlebten Sie die Proben?

Mir macht die Arbeit als Chorleiter richtig Spaß. Nach jeder Chorprobe bin ich erschöpft, nehme aber auch trotzdem viel Energie mit. Der Projektchor war ja noch eine zusätzliche Belastung neben meiner Familie, der Arbeit, der Chorleitung des Kirchenchors Hegnach und meinen Orgeldiensten.

Schon von Anfang an gab es den richtigen Groove, den Beat und die richtigen Einsätze, weil wir zusätzlich mit einer Playback-CD gearbeitet haben.

Alle Sängerinnen und Sänger waren sehr aktiv und konzentriert dabei. Dadurch konnten wir sehr schnell die Stücke erarbeiten. Dabei waren SängerInnen mit viel Erfahrung und auch SängerInnen, die einfach gerne auch unter der Dusche für sich singen, dabei. Die Begeisterung und die vielen Wiederholungen haben dann die Sicherheit gegeben.

5. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den anderen Chören (das Besondere des Projekts ist ja die enorme Anzahl von Projektchören, die bei den Aufführungen zusammenwirken)?

Es ist phantastisch zu erleben, wie alle dann zusammen singen können. Es gibt Einzelsänger, die sich ohne Chor vorbereitet haben und Chöre, die mitsingen. Alle zusammen erzeugen dann einen gewaltigen Klang. Dank der guten Vorbereitung aller und der Erfahrung von Hans-Martin Sauter, dem Chorleiter für die Ludwigsburger Aufführungen, klappt das Zusammenwirken ganz schnell. Alle Sängerinnen und Sänger werden zu einer großen Gemeinschaft. Lustig wird es, wenn die Choreografie für den Chor noch dazu kommt. Bewegung und gleichzeitig chorisch singen ist nicht jedermanns oder jederfraus Sache.

Ein großes Lob auch an das Team der creativen Kirche Witten, die so ein Projekt ermöglichen.  Es zu  planen, Veranstaltungsräume zu buchen, die Teilnehmerverwaltung, die Öffentlichkeitsarbeit, Dokumentation durch Bilder und Videoaufnahmen, die Präsenz vor Ort, immer ein Ohr für die Fragen und Probleme der SängerInnen etc.  Das sind viele Aufgaben und Handgriffe, bis so eine Tournee steht.

Alle weitere Informationen inklusive Veranstaltungstermine gibt es auf der Homepage des Martin Luther King Musicals.