Sonntagsgedanken zum 02. August 2020

Vertraut den neuen Wegen

„Vertraut den neuen Wegen, auf die Herr uns weist. Weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.“ (EG 395,1) So hat der Jenaer Theologieprofessor Klaus-Peter Hertzsch 1989 gedichtet – und seine Wünsche angesichts der bevorstehenden Veränderungen ausgedrückt.

Auch uns stehen Veränderungen bevor … und wir wissen gar nicht genau, welche … Klar ist nur: Corona verändert das Leben – und der Wunsch mancher Leute „Es soll alles wieder so werden wie vor der Krise“ wird … ziemlich sicher … nicht erfüllt … Und ich weiß gar nicht, ob ich in allem wirklich wieder in die Vor-Corona-Zeit zurückwill: Zurück in die alte Hektik, zurück in das alte Streben nach „immer mehr“, „immer höher“, „immer weiter.“  

Corona ist eine Krise … Und das Wort Krise kommt vom griechischen Wort „Krisis“ – und „Krisis“ bedeutet: „Höhepunkt“, „Wendepunkt“, „Zuspitzung“. In der Krise entscheidet sich, wie es weiter geht … „Weiter im alten Trott“? Oder „Vertraut den neuen Wegen“? Natürlich freue auch ich mich auf manch altes wieder: Gottesdienste ohne Abstand mit so vielen Leuten, wie kommen wollen. Begegnungen ohne Angst vor Ansteckung … Singen, Spielen, Gemeinschaft… Aber ich wünsche mir auch ein neues Miteinander … und bin gespannt auf die neuen Wege, die unser Vater im Himmel noch für uns vorbereitet hat: neue Begegnungen, neue Erfahrungen, neue Erlebnisse … bei meinem Urlaub hier zu Hause im Rems-Murr-Kreis … 

Der Monatsspruch für den Monat August aus Psalm 139, Vers 14 leitet unseren Blick nach vorne … und vielleicht auch zurück … Er leitet ihn zu dem, was so wunderbar ist – und was wir doch viel zu oft für so selbstverständlich nehmen. Der Psalmist schreibt: „Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke. Das erkennt meine Seele.“

Die Dankbarkeit, die aus diesen Zeilen dringt, bewegt mich – Dankbarkeit für unser Dasein, für unsere Existenz, für all das, was wir haben und doch viel zu oft für selbstverständlich nehmen. „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist.“ Vielleicht ist, gerade jetzt, ein neuer Weg der Dankbarkeit dran … wer weiß?!


Pfarrer Hartmut Greb, Evangelische Kirchengemeinde Birkmannsweiler-Höfen-Baach