Sonntagsgedanken zum 1. September 2019

Ist der Klimawandel etwas Theologisches?

Neulich habe ich einen Aufkleber gesehen „F….you Greta!“ Dabei habe ich gedacht, warum wird dieses Mädchen bloß so runter gemacht. Ich finde dieses 16-jährige Mädchen aus Schweden ganz gut. Man sollte sie einfach ein junges Mädchen sein lassen, das berechtigterweise den Finger in die Wunde unseres erwachsenen Verdrängens gelegt hat. Wir wissen ja, dass sich was ändern muss in unserem Umgang mit Gottes Schöpfung. Vielleicht ist Greta Thunberg zu präsent in den Medien, so dass das bei vielen einen Überdruss hervorruft. Aber das ist ja nicht nur sie, da sind auch viele andere Jugendliche engagiert und fordern eigentlich nur das, was viele Wissenschaftler auch fordern.

Aber erinnern wir uns eigentlich noch daran, dass das, was den Schülern da gerade so wichtig ist, die Kirchen schon vor 30 Jahren gefordert haben? Im konziliaren Prozess „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ angeregt 1983 auf der Konferenz des Ökumenischen Rates in Vancouver und 1985 durch Carl Friedrich von Weizsäcker beim Kirchentag in Düsseldorf. Schon 1989 wurde in Basel bei der ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung (da waren alle Kirchen versammelt) gesagt: „Wir betrachten es als Skandal und Verbrechen, dass der Schöpfung weiterhin nicht wiedergutzumachende Schäden zugefügt werden. Wir erkennen, dass eine neue partnerschaftliche Beziehung zwischen dem Menschen und der übrigen Natur nötig ist. Wir verpflichten uns, bei der Lösung unserer Probleme nicht mehr auf Kosten anderer zu handeln oder neue Probleme zu verursachen. Unser Ziel ist eine internationale Umweltordnung.

Wir betrachten es als lebenswichtig zu erkennen, dass die Schätze dieser Erde mit den kommenden Generationen und dem zukünftigen Leben zu teilen sind. Deshalb verpflichten wir uns zu einem neuen Lebensstil in unseren Kirchen, Gesellschaften, Familien und Gemeinden.“

Der Schutz der Erde gehört zweifellos zu dem, was Gott uns aufgetragen hat, indem er den Menschen auftrug, seine Erde zu bebauen und zu bewahren. Das „Bewahren“ kam wohl viel zu kurz. Bevor wir uns über die Jugendlichen von „Fridays for Future“ oder Greta Thunberg aufregen, sollten wir vielleicht uns daran erinnern, was für Viele in vielen Kirchen schon lange common sense war. Wir haben das nur wieder vergessen oder wollten vielleicht doch nichts verändern.


Pfarrer Dr. Karl Braungart, Evangelische Kirche Winnenden-Schelmenholz und Hanweiler