Sonntagsgedanken zum 10. November 2019

Bernhard Lichtenberg und die Reichspogromnacht

Bernhard Lichtenberg, geboren 1875, stammt aus einer schlesischen katholischen Familie. Sein Vater war Mitglied der Zentrumspartei und vertrat die Interessen der Katholiken gegenüber dem Preußischen Staat in der Zeit des Kulturkampfes.

Bernhard studierte Theologie in Innsbruck und Breslau und empfing 1899 die Priesterweihe in Breslau, arbeitete als Kaplan und Pfarrer in verschiedenen Gemeinden der aufstrebenden Großstadt Berlin. Mit Gründung des Bistums Berlin wurde er Domkapitular und Propst an der Bischofskirche Sankt Hedwig in Berlin. Politisch engagierte er sich in der Berliner Abgeordneten-Versammlung. Als Mitbegründer eines Friedens-Bundes hatte er Kontakt auch zu entsprechenden jüdischen Organisationen. Die nationalsozialistische Ideologie durchschaute er hellsichtig.

Er machte Eingaben an die Regierung angesichts der Verhörmethoden und Haftbedingungen in den ersten Konzentrationslagern für politische Gegner des Regimes. Bereits 1935 wurde er ein erstes Mal des Landesverrats angezeigt, verhört, seine Wohnung durchsucht.

Nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 ließ er täglich öffentlich für die jüdischen Mitbürger und für zum Christentum konvertierte Juden beten. Auch gegen die Tötung behinderter und geisteskranker Menschen protestierte er in Eingaben an die Regierung. 1941 erneut angezeigt, wurde er nach sieben-monatiger U-Haft zu zwei Jahren Haft in Tegel verurteilt.

Durch die Haft schwer krank geworden, sollte er nach der Entlassung als „Schutzhäftling“ nach Dachau verbracht werden. Auf dem Transport nach Dachau verstarb er am 5. November 1943 im Stadtkrankenhaus in Hof an der Saale .Sein Grab fand er in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin. Papst Johannes Paul II hat ihn selig gesprochen am 23.6.1996 bei einem Gottesdienst im Berliner Olympiastadion. Der kirchliche Gedenktag ist der 5. November.

Mit seiner Hellsicht und seinem Mut ist Bernhard Lichtenberg ein Leitbild auch für unsere Zeit mit ihren neuen Formen des Antisemitismus.

Pfarrer Gerhard Idler, Katholische Kirche Korb