Sonntagsgedanken zum 11. Januar 2020

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Es geht um den Vater eines kranken Jungen. Er hat epileptische Anfälle. Die Eltern versuchen ihm gerecht zu werden, aber sie können ihm nicht helfen. Ohnmächtig müssen sie zuschauen, wie ihr Sohn geschüttelt wird und wie er in einer eigenen Welt lebt, zu der sie keinen Zugang haben. Er leidet, ohne sich wehren zu können. Die Krankheit macht die Familie einsam. Immer sind sie anders, immer müssen sie die Blicke aushalten, erklären, vermitteln.

Der Vater hat gehört, dass Jesus heilen kann. Mit seiner Hoffnung macht er sich auf zu Jesus. Der soll seinen Sohn gesund machen. Da Jesus gerade nicht vor Ort ist, versuchen sich die Jünger erst einmal an dem Fall und scheitern. Jesus ist die letzte Hoffnung, als der Vater ihn auffordert: „Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“

Jesus lässt sich nicht zu etwas nötigen und dreht den Spieß um: „Du sagst: Wenn du etwas kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt!“ Die Bibel schildert dramatisch: „Sogleich schrie der Vater: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Für mich ist der Vater des kranken Jungen ein Vorbild des Glaubens: Er hat Mut. Mit dem Mut der Verzweiflung macht er sich auf und tut etwas, und er kennt zugleich seine Grenzen. Er hofft und müht sich für seinen Sohn, für sich, für seine Familie. Er bittet und bettelt, er betet zu Jesus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“

Wie wäre es, wenn wir unsere Sehnsüchte und Wünsche in seine Hand legen?  Dieser Vater macht schließlich die unglaubliche Erfahrung, nach der wir uns sehnen: „Alles ist möglich, dem der glaubt!“

Pfarrerin Susanne Blatt, Leutenbach