Sonntagsgedanken zum 14. Juni 2020

Wer bin ich?

Wer bin ich?
Eine so grundsätzliche Frage stellt sich nicht jeden Tag. Aber Krisenzeiten stellen vieles Selbstverständliche auf den Kopf: Die eigene Arbeitsstelle. Die Versorgung der Kinder. Freizeit und Urlaubspläne. Die Gesundheit.

Auf einmal ist alles anders und vieles unsicher. Das haben wir in den letzten Wochen so erlebt. Und da ist es dann plötzlich nicht mehr weit zu den grundsätzlichen Fragen. Klar hilft Zerstreuung: Unzählige Streaming-Abos wurden abgeschlossen, viele haben sich einen Hund gekauft. Aber mancher war auch mehr auf sich selbst zurückgeworfen als gewohnt. Und hat sich in dieser Zeit vielleicht auch anders erlebt wie sonst. Jede und jeder von uns hat wohl Tage erlebt, in denen wir selbst nicht wussten, wie wir mit uns dran sind. Wer wir sind und wie es in uns aussieht.

Wer bin ich? Diese Frage stellte auch Dietrich Bonhoeffer in einer Krisenzeit. Im Konzentrationslager war auch für ihn als tief glaubender Mensch vieles grundsätzlich in Frage gestellt. Doch in aller Unsicherheit, in allen Zweifeln, stellte er seine Fragen nicht im luftleeren Raum. Er stellte sie in der festen Gewissheit, sein Lebensfundament in Gott zu haben:

„Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.'
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Darauf will auch ich mich verlassen – in Krisenzeiten und in Normalzeiten: Gott kennt mich, er sieht in mein Herz, sieht, wie ich eigentlich bin. Ich bin nicht verloren – wie unsicher ich mich auch fühlen mag – ich bin aufgehoben in ihm.

Diese Gewissheit beschreibt der Monatsspruch im Juni:
Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder. (1. Könige 8,39)

Pfarrer Philipp Essich, Evangelische Kirchengemeinde Winnenden