Sonntagsgedanken zum 15. März 2020

Kein Glauben ohne Tun

Tätige Nächstenliebe ist von Anfang an wesentlicher Teil des Christseins. Schon Jesus macht das in der Erzählung vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-36) deutlich: Der barmherzige Samariter hilft selbstverständlich dem am Weg liegenden, überfallenen Menschen in seiner Not, von Mensch zu Mensch- spontane mitmenschliche Hilfe ohne große Worte. So haben sich Menschen in christlichen Gemeinden immer unterstützt, sich gegenseitig und auch andere.

Im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte wurde die Hilfe professionalisiert. So werden in der Paulinenpflege seit 200 Jahren unter anderem gehörlose Menschen ausgebildet und unterstützt. Das bedeutet, dass viele der Mitarbeitende der Paulinenpflege die Gebärdensprache beherrschen. Wenn sie nun auch noch mit Blinden arbeiten würden, müssten sie auch die Brailleschrift können. Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, dass Spezialisierung und Professionalisierung der Hilfen notwendig ist. So kann in vielen Fällen besser geholfen werden.

Dadurch entstanden die Dienste von Diakonie und Caritas als eigenständige Dienste. Sie verstehen sich als Teil der Kirche, auch wenn sie heute wie die Paulinenpflege wirtschaftlich gänzlich eigenständige Unternehmen sind. Die Hilfe und die Unterstützung, die von diakonischen Unternehmen wie auch der Diakonie Stetten für Menschen geleistet wird, hat ihre Wurzel und ihren Grund im christlichen Glauben.

Wir glauben, dass Gott allen Menschen positiv zugewandt ist. Die Bibel spricht davon, dass Gott die Menschen liebt, alle Menschen! Als geliebte Menschen geben wir die Liebe Gottes weiter und machen sie für andere erlebbar. Das ist die Wurzel und der Grund von Diakonie und Caritas. Doch auch die spontane Hilfe von Mensch zu Mensch in Kirchengemeinden und darüber hinaus ist trotz aller Professionalität heute genauso wichtig wie damals beim barmherzigen Samariter. Gerade heute, in einer Zeit, in der es wieder akzeptabel erscheint, dass Menschen aus welchem Grund auch immer ausgegrenzt werden, braucht es das gelebte, tätige Zeugnis von Gottesliebe und Menschenliebe. Das ist wesentlicher Teil des Christseins.


Pfarrer Andreas Maurer, Vorstand der Paulinenpflege Winnenden