Sonntagsgedanken zum 16. Februar 2020

Sturm

Wie war das am Anfang der Woche mit der Sturmwarnung? Um nicht in kritische Situationen zu gelangen, standen die Bahnen still und auch die Flieger blieben am Boden. Wer nicht unbedingt raus musste, blieb zu Hause. Wer einmal erlebt hat, wie ein Sturm ihn umwirft, wird sich nicht danach sehnen. An so einem Tag wird einem wieder bewusst, dass man doch nicht alles im Griff hat.

Wie war das eigentlich, als es noch keine Sturmwarnungen gab? In der Bibel wird erzählt, wie die Jünger mit Jesus über den See Genezaret fuhren. Da kam ein schwerer Sturm auf, und die Wellen schlugen ins Boot, so dass es vollzulaufen drohte. Jesus aber lag hinten und schlief. Zunächst waren die Jünger ganz in ihrem Element - die Fischer unter ihnen konnten schließlich mit einem Boot umgehen. Sie wussten auch, was zu tun war bei einem der tückischen Fallwinde, wie sie dort manchmal auftreten. Damit wird man fertig. Das kriegen wir schon in den Griff.

So gehen wir oft unsere Probleme an, wenn die Zeichen auf Sturm stehen im Schiff unseres Lebens oder in dem einen Boot, in dem wir alle sitzen, oder auch im Schiff, das sich Gemeinde nennt. Den Jesus brauchen wir dazu in der Regel nicht - so wenig, wie die Jünger ihn brauchten auf dem See. Der schläft ja auch die ganze Zeit. Von dem hört man auch gar nichts. Es ist gerade so, als ob er gar nicht da wäre.

Doch gerade mit Jesus kommen sie in diesen Sturm. Und dabei vergessen sie dann fast, dass Jesus doch bei ihnen ist. Sie wecken ihn auf und schreien: „Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ Mit anderen Worten: Sind wir dir etwa gleichgültig? Ist es dir denn egal, was aus uns wird?

Wie seine Jünger, so bewahrt Jesus auch uns nicht vor den Stürmen des Lebens, aber er will uns beistehen mitten im Sturm. Er ist bei uns, auch wenn es so aussieht, als ob wir allein sind mit unseren Ängsten und Fragen und Problemen, auch wenn wir den Eindruck haben, dass er schweigt.

Und wir können ihn anrufen – er ist nur ein Gebet weit entfernt – und dann die Erfahrung machen, dass wir gehalten sind mitten im Sturm und die Wogen der Angst oder Verzweiflung sich legen. Wie schön ist das: die Ruhe nach dem Sturm. Und Jesus stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: „Schweig und verstumme!“ Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. Ob dieses Wunder nicht auch heute bei uns geschehen kann? Davor zumindest müsste man dann keinen warnen.

Pfarrer Karl Frank, Evangelische Kirchengemeinde Hohenacker