Sonntagsgedanken zum 22. März 2020

Hauptsache gesund?

Es ist ein einfaches Rechenbeispiel. Wenn ein Virus sechzig Prozent eines 80 Millionen-Volkes befällt, so betrifft das 48 Millionen Menschen. Ist der Virus der Virus der Corvit-19 Virus, so erkranken zwanzig Prozent dieser 48 Millionen Menschen. Meist nimmt die Krankheit einen milden Verlauf. Es ist also richtig, dass unsere Regierung von uns verlangt, alles zu tun, dass wir uns gar nicht erst anstecken. Ziel dieser Politik ist es, für alle, die einen schwereren Krankheitsverlauf haben, die medizinische Versorgung zu sichern. Das ist ein menschenfreundlicher Plan.

Ich will heute von der Gesundheit schreiben. Was ist eigentlich Gesundheit? Frage ich die Weltgesundheitsorganisation WHO, so antwortet sie: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“ Hand auf’s Herz, liebe Leserin und lieber Leser, wer von uns ist dann eigentlich gesund? Hat die WHO nicht die ganze Welt krankgeschrieben? Der Corvit-19 Virus jedenfalls hat unsere ganze Gesellschaft bereits jetzt befallen. Das kulturelle, wirtschaftliche, soziale Leben liegt darnieder. Auch das kirchliche Leben. Wir spüren kein Wohlbefinden, unsere Grundrechte sind eingeschränkt, was wohl alle einsehen. Es ist während einer Pandemie vernünftig und geboten. Als Gesellschaft müssen wir beweisen, dass nicht nur Diktaturen mit brutalen Maßnahmen einen Virus erfolgreich eindämmen können. Auch Demokratien können es durch die Einsicht aller schaffen, die Corona-Pandemie so zu steuern, dass alle Erkrankten versorgt werden.

Für mich ist Gesundheit kein paradiesischer Zustand. Gesundheit ist die angemessene Haltung, in der ich mit körperlichen, seelischen und sozialen Krisen umgehe und hindurchgehe. Dabei liegt nicht alles in meiner Hand. Als Christ gehe ich in und durch Krisen in dem Wissen, dass Gott uns immer trägt und hält. Das ist die christliche Hoffnung, die Tatkraft weckt.

In der jetzigen Coronakrise, die unser Land befallen hat, heißt das: Gehen Sie (wenn Sie es nicht schon längst getan haben) heute noch zu ihren Nachbarn! Klären Sie für den Quarantäne- oder Krankheitsfall, ob und wie Sie einander beim Einkaufen helfen können. Überlegen Sie für sich, welche Menschen Sie haben, mit denen Sie telefonieren, schreiben oder chatten können. Die Pfarrämter sind für Publikumsverkehr zwar geschlossen, aber wir sind telefonisch und per E-mail erreichbar. Ich bin davon überzeugt: der Zustand des vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens kommt erst im Paradies.

Alltagstauglicher ist der Glaube. Er zeigt von Jesus Christus her: Gott ist treu und stark genug, um mit uns in und durch alle Krisen zu gehen. Auch die letzte Krise unseres Lebens. „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1, 7)

Herzlich und für Sie da Ihr Timmo Hertneck, Dekan