Sonntagsgedanken zum 22. September 2019

Goldenes Licht

Goldene Herbstsonne – so denke ich bisweilen in diesen Tagen, wenn das herbstliche Licht über Häuser und Gärten fließt, wenn es durch die sich allmählich färbenden Blätter der Bäume blinkt. Goldenes Licht, das uns den Sommer noch ein wenig spürbar macht, ein Licht, das nun die Natur noch einmal wie in unvergänglicher Schönheit hell scheinen lässt, obwohl die Blätter fallen.

Das goldene Licht sagt mir in manchen Momenten: das Vergehende ist schön gewesen und ist es noch – als ob ein geheimer, bleibender Sinn in der vergehenden und wiederkehrenden Natur vorhanden sei. Und manchmal geschieht es ja, dass wir Ereignisse und Widerfahrnisse unseres Lebens wie in einem übertragenen Sinne in einem `anderen Licht´ zu sehen vermögen, was manches Schwere uns sinnvoll und annehmbar macht, uns mit Lebensgeschichten versöhnt, oder einfach ein ursprüngliches Vertrauen und eine wie verloren gegangene Freude am Leben uns wieder zubringt.

Goldenes Licht: es bildet den Hintergrund der mittelalterlichen Heiligenbilder und der Ikonen der Ostkirchen bis heute. Geschichten und Widerfahrnisse irdischer Menschen sind dargestellt, wie auch Wesen aus Gottes Welt, und das menschliche Antlitz des Christus selbst erscheint auf goldenem Grund. Die dargestellten Geschichten sind bisweilen voll von Not, Unrecht, Gewalt, die Menschen hier auf Erden erlitten. Grausige Erzählungen, die eigentlich unerträglich sind, weil sie Menschen immer wieder widerfahren und also wahre Geschichten sind, wie wir wohl wissen.

Das Gold des Hintergrundes lässt sie aber noch in einem anderen als nur dem vordergründigen Licht dieser Welt erscheinen. Das Licht der Welt Gottes kann nicht ausgelöscht werden durch menschliches Tun. Und wo Menschen keinen Sinn mehr erkennen können, und wo auch kein Sinn mehr in sinnentleertes Irdisches hineingedeutelt werden soll, da deutet der goldene Hintergrund um biblische, menschliche Geschichten, um Heiligenlegenden und den Christus selbst an, dass unsere vergehende Welt und Zeit von einer größeren, bleibenden und sinnhaften Welt Gottes umgeben ist – obwohl unser irdisches Sein vordergründig so ist, wie es ist.

Psalm 36 spricht vor Gott so: Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Gott leuchte auch in unsere Seele mit seinem wahren, goldenen Licht, dass es hell und licht in uns werde, wo wir dessen bedürfen.

Pfarrer Wolfgang Adelhelm, Evangelische Kirchengemeinde Buoch / Breuningsweiler