Sonntagsgedanken zum 27. Oktober 2019

Hüte deine Zunge

Mit Sorge beobachte ich eine zunehmende Verrohung der Sprache. Im Internet, bei Demonstrationen oder bei politischen Veranstaltungen verschärft sich der Ton im Umgang mit Menschen, die eine andere Meinung vertreten. Hemmungslos werden auf beleidigende und verletzende Weise ungefiltert Hassbotschaften verbreitet.

Körperverletzung wird bestraft. Beleidigungen im Internet bleiben oft ungeahndet, weil sie häufig aus dem Verborgenen, aus dem Hinterhalt heraus geschehen. Eine böse Zunge, die mit giftigen Worten andere Menschen verletzt, ist nicht weniger schlimm als eine gewalttätige Körperverletzung. Lügen, Hetzreden, Drohungen, hasserfüllte Worte sind der Nährboden, auf dem gewalttätige Übergriffe, Terror und kriegerische Auseinandersetzungen wachsen.

Das Verletzende und Tötende hat in bösen Gedanken und in bösen Worten seinen Ursprung. Ein wesentlicher Beitrag zu einem friedlichen Miteinander ist deshalb ein verantwortlicher Umgang mit den Gedanken und mit der Sprache. Läuterung, Entgiftung, Befriedung auf der Ebene der Gedanken und der Worte ist nötig, um Gewalt und Terror einzugrenzen.

Die Bibel gibt uns dazu hilfreiche Gedanken: „Wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen.“ (1. Petrus 3,10)
Und noch ein anderes weises Wort, das der Wahrheit und dem Frieden dient, empfiehlt uns die Bibel: „Jeder Mensch sei aufmerksam beim Zuhören, achtsam und wahrhaftig beim Reden – und langsam beim Zorn.“ (Jakobus 1,19)


Pfarrer Wolfgang Peter, Evangelische Kirchengemeinde Oppelsbohm