Sonntagsgedanken zum Erntedankfest

Nicht nur zur Erntezeit

Erntedank ist das einzige Dankfest, das in unserem Kalender verankert ist. Anlass über Dankbarkeit nachzudenken.

Dankbarkeit! Das ist mehr als das artige „Danke“ eines Kindes, das etwas geschenkt bekommt. Roger Willemsen hat einmal gesagt: „Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten.“ Dankbarkeit ist eine Lebenshaltung führt zur Verdichtung des Lebens.

Wer dankbar ist, ist nicht auf sich selbst fixiert.
Wer dankbar ist, kreist nicht um sich selbst.
Wer dankbar ist, weiß, dass er sich, sein Leben und alles, was dazugehört, nicht sich selbst zu verdanken hat, sondern anderen.

Dankbarkeit ist eine Lebenshaltung, die den Horizont weitet und das Leben lebenswerter macht. Dankbar nehme ich mein Leben und die Welt um mich herum anders wahr. Ich nehme mehr wahr. Nicht nur, dass ich – auch wenn ich den Apfelbaum einst selbst gepflanzt habe und ihn gut pflege – nicht in der Hand habe, ob und wieviel er trägt. Bei der Ernte ist es augenscheinlich, es gilt aber auch für alle anderen Berieche meines Lebens.

Dass ich lebe, verdanke ich anderen. Auf meine Gesundheit habe ich maßgeblich Einfluss, aber in der Hand habe ich auch sie letztlich nicht. Beruflicher oder schulischer Erfolg hat viel mit Fleiß und Engagement zu tun, aber beruht er alleine darauf? Freundschaften muss man selber anbahnen und pflegen, aber habe ich es wirklich in der Hand, ob ich gute Freunde finde? Und die Liebe?

Es gibt vieles, wofür wir dankbar sein können. Auch dafür, dass ich abgeben kann, von dem was ich habe, bin ich dankbar. Und wer den Dingen wirklich auf den Grund geht, merkt, dass ganz Vieles und Grundlegendes in unserem Leben nicht machbar, nicht verfügbar ist.

Man kommt dann schnell ins Nachdenken über Gott und die Welt. Ob es ihn gibt, diesen Gott? Ich bin dankbar, dass ich darauf vertrauen kann, auch wenn ich keine Gewissheit habe. Meine Dankbarkeit wurzelt auch in diesem Vertrauen.

„Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten.“ Dankbarkeit ist ein Weg dahin.


Pfarrer Andreas Maurer, Vorstand der Paulinenpflege Winnenden