Sonntagsgedanken zum 24. März 2019

Entscheide dich

„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Lukas 9, 62). Ein konkretes Bild, das Jesus da gebraucht, aber nicht ohne weiteres verständlich. Was passiert denn, wenn ich zurückschaue?

Der Pflug bricht die Erde auf, damit sie gelockert wird und Samen aufnehmen kann. Wer pflügt, ist auf eine gerade Furche aus. Und wer sich beim Pflügen nicht konzentriert, wer gar in die falsche Richtung schaut, der wird „verreißen“. Die Furche wird krumm und schief, schlimmstenfalls gerät der Pflug außer Kontrolle. Jesu Wort könnte man also ungefähr so in unsere heutige Lebenswelt übersetzen: „Wer sich gerade erst für etwas Wichtiges entschieden hat und gleich wieder zaudert, der meint es wohl nicht ganz ernst. Man kann sich nicht auf ihn verlassen.“

Sich klar zu entscheiden, das ist gar nicht so leicht in unserer „Multioptionsgesellschaft“ (Peter Groß). So vieles steht zur Auswahl: Hobbys, Berufe, potentielle Partner. Die Welt scheint ein einziger Handelsplatz der Möglichkeiten zu sein.

Angesichts dieser Vielfalt fällt es Menschen zunehmend schwer, sich auf eine Sache festzulegen: ein Hobby, einen Beruf, einen Lebenspartner. Was, wenn ich meine Wahl falsch getroffen habe? Das große Zaudern zeigt sich in zwei Spielarten: Entweder entscheidet man sich dauernd um oder man entscheidet sich gar nicht.

Beide Male kommt das Leben ins Stocken, gerät in die Endlosschleife. Denn wenn ich keine Entscheidung festhalten kann, fehlt mir die Basis, um darauf aufzubauen. Und wenn ich alles in der Schwebe lasse, fange ich gar nicht erst an zu leben. In beiden Fällen verliere ich irgendwann den Respekt der anderen und schließlich die Achtung vor mir selbst.

Wir merken: Jesu Wort trifft einen Schmerzpunkt. Bin ich in der Furche? Verfolge ich, wovon ich überzeugt bin? Mache ich etwas aus meinen Talenten? Unterstütze ich die Menschen, die berechtigte Hoffnungen auf mich setzen? Die Frage kann sich jede und jeder fürs eigene Leben stellen. Aber daraus folgt noch mehr: Denn nur, wer sich verlässlich entscheidet, auf den kann man sich nachher auch verlassen. Ohne Menschen, die sich ganz auf ein Engagement, eine Kompetenz, eine Beziehung einlassen, gäbe es keine Gemeinschaft. Den nächsten Schritt können wir nur gehen, wenn wir als einzelne wichtige Entscheidungen treffen und dazu stehen.

Viele Menschen warten, dass ihnen die richtige Entscheidung auf dem Silbertablett serviert wird: das Angebot des Trainers, die ideale Jobsituation, der Traumprinz. Doch umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wir bekommen Halt, wo wir Halt geben. Wo wir uns darum bemühen, einander Halt zu sein, wächst Gemeinschaft. Das ist dann zwar noch nicht das Reich Gottes. Aber bereits in Rufweite davon.

Pfarrerin Dr. Antje Fetzer, Evangelische Kirche Waiblingen