Sonntagsgedanken zum 22. Juli 2018

Vormütter

Lange war der Kampf unserer Vormütter, bis im November 1918 endlich das Wahlrecht auch für Frauen galt. Elly Heuss-Knapp, die Frau des späteren Bundespräsidenten und selbst stets eine politisch aktive Frau wurde beauftragt, Slogans für Plakate zu kreieren. Diese Slogans sollten Frauen ermutigen, ihr Wahlrecht auch wahr zu nehmen. Es ging die Sorge um, die Frauen würden sich durch die Häme der Männer verunsichern lassen und dann nicht ihr Wahlrecht ausüben.

1919 eine der ersten Wahlen, die evangelische Kirchenwahl in den Kirchengemeinderat. In Waiblingen stellten sich zwei Frauen zur Wahl, Amalie Volz und Emma Bälz. Keine der beiden wurde gewählt. Amalie Volz war mit dem Leiter des Finanzamtes verheiratet, hatte drei Kinder und wohnte neben der Seidenweberei Küderli. Für die Arbeiterinnen dort gründete sie den evangelischen Arbeiterinnenverein. Nach der Versetzung ihres Mannes nach Esslingen gründete sie dort die erste evangelische Mütterschule in Württemberg.

Ihre in Waiblingen geborene Tochter Lenore kämpfte später dafür, dass in Württemberg auch Frauen zu Pfarrerinnen ordiniert werden. Das liegt nun fünfzig Jahre zurück.

Mutige Frauen in ihrer Zeit, auf deren Schultern wir heute stehen. Frauen, die sich durch die oft mäßig intelligenten Sprüche von Männer nicht beirren ließen.

Mutige Frauen finde ich auch immer wieder in den Geschichten der Bibel. Eine meiner Lieblingsgeschichten steht im 7. Kapitel des Markusevangeliums. Eine ausländische Frau mit einem kranken Kind bittet Jesus um Heilung. Er sieht sich nur für die Kinder Israels zuständig, sie begibt sich mutig in eine Diskussion mit Jesus. Jesus verändert seine Haltung und heilt das Kind. Beide imponieren mir. Jesus, der sich den Argumenten der ausländischen Frau nicht verschließt und eine andere Sicht gewinnt. Die Mutter, die alles dransetzt, damit ihrem Kind geholfen wird.

Frauen, die ihre eigene Sicht auf die Dinge und ihre Gaben und Talente einbringen braucht es zu jeder Zeit. 2019 stehen Kommunalwahlen und auch Kirchenwahlen an und es braucht wieder viele Frauen, die sich ermutigen lassen sich zur Wahl zu stellen. Frauen, auf deren Schultern die nächsten Generationen stehen können.

Diakonin Kornelia Minich, Evangelische Kirchengemeinde Waiblingen