Sonntagsgedanken zum 9. Dezember 2018

Advent als Weg zur Achtsamkeit

Wir feiern morgen den 2. Advent. Der Advent (eigentlich lat. adventus Domini - Ankunft des Herrn) ist eine Zeit der Wachsamkeit, in der wir uns auf die Begegnung mit dem in Bethlehems Stall geborenen Heiland vorbereiten.

Für mich selbst hat diese Vorbereitungszeit viel mit Achtsamkeit zu tun. Achtsam sein auf das hin, was in mir und um mich herum geschieht. Meinen Körper, Gedanken, Gefühle und meine Umwelt wahrnehmen. Die große Herausforderung dabei ist, nicht sofort zu bewerten, sondern einfach wahrzunehmen. Zum Beispiel ein Geräusch. Wir ordnen in gewohnter Weise sofort ein: das ist Lärm. Nehmen wir einfach die Schwingungen wahr, die ans Ohr dringen. In den Momenten, in welchen es uns gelingt, die Dinge einfach mal nur stehen zu lassen, öffnet sich ein Raum für neue Ideen, eine andere Sichtweise, mehr Gelassenheit.

Achtsamkeit hat nichts zu tun mit "du musst jetzt", sondern mit Innehalten. Den Moment wahrnehmen. Gerade in dieser Zeit vor Weihnachten, in der wir uns getrieben fühlen, so vieles noch zu erledigen, schenkt Achtsamkeit Segen.

Aber wie alles in der Welt muss ich sie erlernen und dann durch Übung mitten im Alltag dabei bleiben: eine rote Ampel nicht als Störenfried betrachten, sondern als Einladung, kurz innezuhalten, den eigenen Atem wahrzunehmen und aus meinem Gedankenkarussell auszusteigen und einzusteigen in den Freiraum, den mir das Jetzt schenkt. Wir sind selten dort, wo unser Körper ist. Meist sind wir mit den Gedanken irgendwo, nur nicht im Hier und Jetzt.

Im Umgang mit mir selbst heißt Achtsamkeit, mich liebevoll und neugierig zu betrachten, wer ich bin mit allem, was da ist: meine Bedürfnisse, meine Gefühle, meine Widerstände. Und sie zu akzeptieren. Das ist vielleicht die schwierigste Übung überhaupt. Diese Akzeptanz ist jedoch der entscheidende Schlüssel, um gut mit mir und anderen umgehen zu können. Und schenkt den Frieden, den wir uns für diese Zeit so sehr ersehnen. Dabei schließt Achtsamkeit andere immer mit ein. Zu spüren, wie es dem anderen geht. Zuzuhören, ohne das Gegenüber gleich zu unterbrechen. Nicht sofort zu reagieren, wenn ich angegriffen werde.

Johannes der Täufer, der knorrige Bußprediger in der Wüste, spricht in den adventlichen Evangeliumstexten zu uns von der Umkehr. Umkehr als Umdenken. Dabei hat dieses Umdenken Auswirkungen auf den einzelnen, die Gesellschaft, die Wirtschaft. Es geht um den achtsamen Umgang miteinander, mit der Umwelt, um Werte wie Verantwortung. Es geht um bewusstes Leben und Arbeiten.

Nehmen wir die Friedfertigkeit wahr, die uns aus dem Stall von Bethlehem entgegenstrahlt. Lassen wir uns beeindrucken vom Hier und Jetzt des Christuskindes in der Krippe. Dann wird es heller in und um uns in diesen Tagen.


Brigitte Scherer, Pastoralreferentin in der katholischen Seelsorgeeinheit Waiblingen-Korb-Neustadt